Mit dem von Abdullah Öcalan eingeleiteten Prozess eröffnet sich eine historische Gelegenheit, den jahrzehntelangen Konflikt einer gerechten und nachhaltigen Lösung näherzubringen. Dieser Schritt markiert einen entscheidenden Moment für die kurdische Frage und bietet die Chance auf einen dauerhaften Frieden. Es ist wichtig zu betonen, dass dies nicht das erste Mal ist, dass Abdullah Öcalan und die PKK Initiativen zur Beendigung dieses Krieges unternommen haben. Wiederholt hat die türkische Regierung diese Bemühungen durch ihre rassistische und repressive Politik sabotiert. Umso bedeutsamer ist es, dass das erneute Engagement Öcalans ernst genommen wird. Doch dieser Prozess kann nur erfolgreich sein, wenn die Türkei ihre antikurdische Politik beendet und kurdische Rechte als unverhandelbaren Bestandteil eines demokratischen Systems anerkennt. Auch Deutschland muss sich seiner Verantwortung bewusst werden. Mit der größten kurdischen Gesellschaft außerhalb Kurdistans und einer langen Liste an Maßnahmen zur Kriminalisierung kurdischer Akteur*innen hat Deutschland bislang eine Rolle gespielt, die einer friedlichen Lösung entgegensteht. Doch es liegt in seiner Macht, seinen Platz auf der richtigen Seite der Geschichte einzunehmen. Dazu muss sich die Bundesregierung unmissverständlich hinter eine friedliche und demokratische Lösung stellen, wie sie nun von Öcalan eingeleitet wurde, und ihre Kriminalisierungspolitik beenden. Jetzt eröffnet sich die Chance, diesen viel zu lange andauernden Krieg endgültig zu beenden und nachhaltige Perspektiven für die gesamte Region zu schaffen. Die kurdische Frage – eine Frage, die den Kurd*innen brutal aufgezwungen wurde – bedarf endlich einer gerechten Lösung. Die Zeit dafür ist längst überfällig. Provokationen müssen durchschaut und abgelehnt werden. Jetzt ist der Moment, historische Verantwortung zu übernehmen und den Weg für eine gerechte und dauerhafte Lösung freizumachen.
Historische Chance für eine Lösung der kurdischen Frage – Verantwortung aller Akteur*innen gefordert