Solche Tendenzen lassen sich immer häufiger im Journalismus beobachten. Ich persönlich finde, unsere Branche muss darüber mehr diskutieren. Was macht es mit einer Gesellschaft, wenn wir den Konflikt, das Spaltende immer mehr nach vorne stellen? Sind wir uns darüber klar? (3/3)
Posts by Daniela Lottmann
Die "Verkaufe" des Textes geschieht also über den Konflikt; über das Versprechen, Affekte beim Publikum zu erzeugen, Feindbilder zu präsentieren. Nicht über den Gegenstand der Berichterstattung selbst.
(2/3)
Eine bemerkenswerte Überschrift. Das "Versprechen" dieser Stern-Überschrift ist: "Wenn du TM-Kritiker bist, wirst du dich richtig aufregen" bzw. "Wenn du TM-Anhänger bist, zeigt dir dieser Text, dass du auf der richtigen Seite stehst." (1/3) www.stern.de/gesellschaft...
... wird der Komplexität des Feldes aber nicht gerecht. Was Aufmerksamkeit generiert ist nicht automatisch guter Journalismus - sondern allzu oft gar keiner.
Die beliebtesten Seiten vieler Medienhäuser sind übrigens die Rätselseiten. Nach dieser Logik wären Kreuzworträtsel auch "guter Journalismus".
Die Sichtweise ist ja nicht ganz falsch. Das Publikum mitzudenken, finde ich richtig. Die Maßgabe: "Gut ist, was Aufmerksamkeit generiert" ...
Ergebnislos finde ich nicht. Gerade das Konstruktive wird doch immer mehr. Es rechnet sich nur noch nicht genug. Aber da ist man doch dran.
...zu entwickeln.
Ich habe das Gefühl, da passiert gerade was in der Branche. (Aber ja, der Weg ist noch weit.)
Eine Sache noch: Verloren sind wir nicht. Die Debatten darüber, wie der Journalismus sich verändern muss, werden immer lauter und intensiver. (Auch weil News Avoidance mittlerweile als Problem bei den Medienhäusern angekommen ist.) Ich bin z.B. selbst Teil eines Teams, das den Auftrag hat, Lösungen
Bin ich bei dir. Das Problem ist ein systemisches und kann nur auf Orga-Ebene gelöst werden. Wir brauchen neue Geschäftsmodelle. Im Augenblick zahlen Klicks die Rechnung - und Forderungsjournalismus ist "billig gemacht".
Dazu hier ein Papier. Der Verlust von Qualität und Medienvertrauen wird von Journalist:innen nicht übersehen, sondern als Problem wahrgenommen. www.otto-brenner-stiftung.de/wie-journali...
Heißt: Viele Redaktionsmitglieder haben eine Vorstellung von Medienwirkung (bei mir war das z.B. Teil der Volo-Ausbildung). Nur ändern können sie wenig: Keine Entscheidungsmacht, keine Zeit, keine Übung in Reflexion, wenig Selbstbestimmung.
Auch deshalb steigt die Belastung in den Redaktionen.
Ich halte Unwissenheit nicht für das Problem. Die von dir genannte Systemlogik hingegen umso mehr. Die Abläufe ist oft starr und arg beschleunigt; auch weil viele Geschäftsmodelle das Quantitative forcieren. Dazu kommen vielfach starre Hierarchien, die Entscheidungskompetenzen "nach oben" eskalieren