Vergangenen Donnerstag durchsuchten Einsatzkräfte im Zuge von Ermittlungen gegen acht mutmaßliche Mitglieder und Unterstützer:innen der rechtsterroristischen "Patriotischen Union" elf Objekte in Sachsen. Gegen einen 41-Jährigen wurde ein Haftbefehl vollstreckt.
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Vergangenen Freitag startete vor dem Oberlandesgericht Dresden der Prozess gegen acht Mitglieder der mutmaßlich rechtsterroristischen Gruppe "Sächsische Separatisten". Drei der Angeklagten sind AfD-Mitglieder. Ein Antrag über ihren Ausschluss liegt derzeit beim Schiedsgericht.
Am 12. September 2025 hat die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart Anklage gegen einen mutmaßlichen Unterstützer der "Vereinten Patrioten" erhoben, der sich bei einem Treffen an Plänen zur Besetzung neuer Staatsämter nach einem Umsturz beteiligt haben soll. Der Prozess soll am 12. Februar starten.
Anfang der Woche wurde eine neue kriminologische Studie des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg zur deutschen Terrorgram-Szene vorgestellt. Terrorgram ist ein Netzwerk auf dem Messengerdienst Telegram, in dem rechtsterroristische Gewalt glorifiziert und propagiert wird.
Am 3. Dezember erhob die Bundesanwaltschaft Anklage gegen acht mutmaßliche Mitglieder der "Letzten Verteidigungswelle". Ihnen wird unter anderem die Mitgliedschaft und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Sie sollen bereits Anschläge verübt und einen weiteren geplant haben.
Vergangenen Donnerstag wurden ein Flugplatzgebäude sowie die Wohnung und Geschäftsräume eines Mitglieds der AfD-Fraktion im Kreistag des Ilmkreises in Thüringen durchsucht. Der Lokalpolitiker soll sich der Unterstützung der rechtsterroristischen "Vereinten Patrioten" schuldig gemacht haben.
Vergangenen Mittwoch wurde die Wohnung eines mutmaßlichen Unterstützers der "Vereinten Patrioten" im niedersächsischen Berumbur durchsucht. Dabei wurden elektronische Datenträger sichergestellt.
Hier deuten sich mindestens Anknüpfungspunkte für rechtsterroristische Entwicklungen an, die neue Bedrohungspotenziale schaffen können. Eine Einordnung des Gegenstandes und eine Arbeitsdefinition findet sich im neuen Blogartikel von @cemas.io:
Der Nihilistische Akzelerationismus hat die Besonderheit, dass er sich auf die Gewalt im analogen Raum konzentriert – auch auf Terrorismus. Dort zeigt sich allerdings vermehrt ein rechtsterroristischer Einfluss in den Taktiken, Strategien und auch moralischen Grenzen.
Der Nihilistische Akzelerationismus ist Teil des „Nihilistic Violent Extremism“, einem losen Online-Netzwerk, dessen Mitglieder vom Zerstörungswillen und der Ablehnung des Lebens angetrieben werden. Gewalt gegen alles und jede:n dient ihnen dabei als Mittel und der Anerkennung.
Die Bedrohung durch Rechtsterrorist:innen ist vielfältig. Eine geht von militanten Akzelerationisten aus, die Anschläge als geeignetes Mittel für einen gesellschaftlichen Kollaps ansehen. Dort ergeben sich gegenwärtig Anknüpfungspunkte für ein neues Phänomen: den Nihilistischen Akzelerationismus.
Vergangenen Donnerstag wurden 8 Objekte in Bayern, Sachsen und Thüringen durchsucht. Drei der sechs Beschuldigten befinden sich in Untersuchungshaft. Sie werden der Mitgliedschaft oder Unterstützung der "Patriotischen Union" verdächtigt. Auch eine ehemalige Zeitsoldatin ist unter den Beschuldigten.
Vergangenen Freitag erhob die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart Anklage gegen zwei mutmaßliche Unterstützer der "Vereinten Patrioten". Einer soll bei der verschlüsselten Kommunikation geholfen haben, ein anderer soll seine Unterstützung bei Sabotageakten gegen die Stromversorgung angeboten haben.
Innerhalb rechtsterroristischer Online-Communities formiert sich eine neue Subströmung des Akzelerationismus. Erste Graffiti, die auf das Netzwerk hindeuten sind auch in Deutschland gesichtet worden. Es handelt sich dabei um den Bereich des Nihilistischen Akzelerationismus. Eine Einordnung 🧵
Am vergangenen Mittwoch wurden im Zuge der Ermittlungen zu den "Vereinten Patrioten" weitere Objekte in Sachsen durchsucht. Ein 47-Jähriger soll Mitglied der Gruppe gewesen sein und ein 57-Jähriger Unterstützer. Drei weitere Beschuldigte sollen von den Plänen gewusst, sie aber nicht angezeigt haben.
Die Grafik zeigt 11 Fälle aus der Datenbank auf einem Zeitstrahl, bei denen Ermittlung wegen 129a geführt wurden oder bei denen Anklage wegen 129a erhoben wurde.
Im Januar 2025 versuchten Claudio S. und Justin W. eine bewohnte Geflüchtetenunterkunft in Schmölln in Brand zu setzen.
Es handelt sich mit diesem neuen Eintrag um den 54. Fall in unserer Datenbank und um den zweiten Fall, in dem eine rechtsterroristische Gruppe bereits mehrere Taten beging:
Im Februar wurde bereits Devin K. nach Hinweisen von Journalist:innen festgenommen. Er hatte zusammen mit anderen Mitgliedern einen Anschlag auf eine Geflüchtetenunterkunft in Senftenberg geplant. Bereits im Oktober 2024 hatten zwei 15-Jährige das bewohnte Kulturhaus in Altdöbern in Brand gesetzt.
Heute wurden in fünf Bundesländern Objekte durchsucht und mutmaßliche Mitglieder der Gruppe "Letzte Verteidigungswelle" festgenommen. Die Ermittlungen richten sich insgesamt gegen acht Personen und ihre Aktivität in der mutmaßlich rechtsterroristischen Gruppe. Der jüngste sind 14 Jahre alt.
Vergangenen Donnerstag wurden in Eisenach weitere Objekte bei vier mutmaßlichen Unterstützer:innen der Gruppe "Knockout 51" durchsucht. Seit April 2025 stehen drei Angeklagte aus dem Umfeld der Gruppe wegen der Bildung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vor Gericht.
Am vergangenen Mittwoch wurden Heidi O. und Robert P. vor dem Oberlandesgericht Koblenz verurteilt. Heidi O. wurde wegen der Unterstützung der terroristischen "Vereinten Patrioten" zu 2 Jahren und 6 Monaten Freiheitstrafe verurteilt, Robert P. wegen der Mitgliedschaft zu 2 Jahren und 8 Monaten.
Neuer Verdachtsfall: Im Februar wurde in der Schweiz ein 19-Jähriger festgenommen, der einen Anschlag auf die Synagoge in Halle geplant haben soll. Er soll die Tat in einem Telegram-Chat angekündigt und sich eine Schusswaffe zugelegt haben. Mit diesem Eintrag umfasst die Datenbank jetzt 53 Fälle.
Am Montag startete der 2. "Knockout 51"-Prozess gegen zwei mutmaßliche Mitglieder sowie den Unterstützer und "Die Heimat"-Politiker Patrick Wieschke vor dem Oberlandesgericht Jena. Spätestens seit April 2021 soll die Gruppe laut Anklage auf die Tötung politischer Gegner ausgerichtet gewesen sein.
Militante Akzelerationisten glauben, dass ein drohender Zusammenbruch der demokratischen Gesellschaft bevorstünde, der auch durch rechtsterroristische Gewalt aktiv zu beschleunigen sei. Bereits 2022 hat CeMAS auf die Entwicklungen dieser ideologischen Strömung in Deutschland aufmerksam gemacht:
Eine Tortengrafik schlüsselt die Verteilung der Ideologien in den erfassten Fällen in der Datenbank seit 2018 auf. Den größten Anteil hat die Ideologie des Militanten Akzelerationismus mit acht Fällen.
Das Terrorgram-Netzwerk gehört zum Militanten Akzelerationismus. Seit 2018 beinhaltet die Datenbank zu Rechtsterrorismus bei CeMAS verstärkt Fälle, die dieser ideologischen Strömung zugerechnet werden können. Es zeigt sich: Die davon in Deutschland ausgehende Gefahr nimmt zu.
Das Research Paper liefert erstmals Zahlen zur Aktivität von deutschen Usern im Terrorgram-Netzwerk. Es zeigt sich: Deutsche sind aktiv in die Gruppen eingebunden, dabei fallen 83 User als sehr aktiv auf. Zudem zeigen Gruppensperrungen Wirkung, aber werden nur selten von Telegram vollstreckt.
Neues Research Paper: Der Militanten Akzelerationismus stellt eine ernstzunehmende Bedrohung für die demokratische Gesellschaft dar. In unserer neuesten Veröffentlichung untersuchen wir das Dunkelfeld der Aktivität deutscher User im transnationalen Terrorgram-Netzwerk auf der Plattform Telegram:
Am 1. April wurden in Bayern und Österreich drei mutmaßliche Unterstützer der "Vereinten Patrioten" festgenommen. Dabei wurden auch Waffen sichergestellt. Sie sollen sich an Plänen zur Regierungsbildung nach einem Umsturz beteiligt und an Treffen der Gruppe teilgenommen haben.
Am 25. Februar 2025 erhob die Bundesanwaltschaft Anklage gegen vier weitere mutmaßliche Mitglieder der "Patriotischen Union". Allen wird vorgeworfen, Aufgaben beim Aufbau des "militärischen Armes" übernommen zu haben. In Baden-Württemberg wird gegen 58 Beschuldigte der Gruppe ermittelt.
Am Freitag wurde Isabell B. wegen Hochverrats und Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung der "Vereinten Patrioten" verurteilt. Das Gericht sah aufgrund "tätiger Reue" von einer Strafe ab. Die 39-Jährige kooperierte mit der Polizei und sagte als Zeugin in anderen Prozessen aus.
Am vergangenen Donnerstag wurden vier Rädelsführer:innen und ein Mitglied der "Vereinten Patrioten" zu Haftstrafen zwischen 2 Jahren und 10 Monaten und 8 Jahren verurteilt. Damit sind insgesamt 9 Personen wegen ihrer Aktivität in der Gruppe verurteilt worden, 3 weitere stehen noch vor Gericht.