Hans Kelsen Gastprofessur: Was lehrt uns die Geschichte des Völkerrechts über die aktuelle Weltlage? Drei Fragen an Prof. Dr. Miloš Vec
Was ist das gängigste Vorurteil über Völkerrecht? Neben dem Vorurteil, dass es sich angeblich nicht um Recht handele, überrascht die meisten Menschen, wie alt das Völkerrecht tatsächlich ist. Tatsächlich lassen sich erste Zeugnisse von Friedensschlüssen oder Grenz-regelungen zwischen autonomen politischen Einheiten wie Stadtstaaten schon in Mesopotamien nachweisen, sind also mehr als 4.000 Jahre alt.
Warum ist die Epoche des 18. bis 20. Jahrhunderts so zentral? Die moderne Welt ist in den letzten zwei Jahrhunderten entstanden. Auch das heutige Völkerrecht wurde von der „Verstaatlichung" und „Verrechtlichung" der Welt geprägt. Internationale Beziehungen wurden zunehmend durch Gewohnheiten und Verträge geformt, aber auch durch Gerichte. Diese Vorhersehbarkeit und die Transformation von Machtfragen in Gerechtigkeitsfragen haben eine lange und wichtige Tradition im Völkerrecht.
Was lehrt uns die Geschichte des Völkerrechts zu aktuellen Konflikten? Völkerrecht ist stark von Machtfragen geprägt, aber Macht allein genügt nicht. Die Rechtfertigung von politischem Handeln findet heute primär durch Recht statt. Mächtige Akteure versuchen, es nach ihren Interessen zu interpretieren, zu verändern - oder es zu umgehen. Der Blick in die Vergangenheit bietet einen reichen Erfahrungsschatz. Jede Generation blickt neu darauf und sucht nach Interpretationen und Antworten.
⚖️ „Macht allein genügt nicht.“ – Prof. Dr. Miloš Vec, Hans Kelsen Gastprofessor an der @unicologne.bsky.social, über die Geschichte des Völkerrechts und ihre Bedeutung für die globalen Konflikte von heute.
💬 Zum Interview: www.alfredlandecker.org/de/article/i...