Ernstgemeinte Frage an alle, die immer noch pro Trump sind: Verfügt ein US-Präsident, der ein Bild von sich als Jesus postet, über genug kognitive und emotionale Stabilität, um das Amt des Präsidenten auszuüben?
(Das ist kein Fake. Trump hat das wirklich gepostet.)
Posts by Marko Kovic
3/ Die Wahlen in Ungarn sind ein Hoffnungsschimmer. Wenn sogar Viktor Orban, der bis vor Kurzem unantastbar schien, so deutlich abgewählt werden kann, ist der destruktive Siegeszug des Populismus nicht unaufhaltbar.
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2/ Orbans Vermächtnis nach 16 Jahren ist, dass er seine eigene Macht konsolidierte und Ungarn in ein System der klientelistischen Korruption umbaute. Ein Netzwerk an Oligarchen, zu dem auch sein Schwiegersohn gehört, wurde mit Orban reich.
1/ Die Menschen in Ungarn haben realisiert, dass Orbans Populismus ein Potemkinsches Dorf ist. Versprochen wurde eine glorreiche Zukunft, geliefert wurden Kleptokratie und Verwüstung. So funktioniert Populismus.
Trump droht, dass "eine ganze Zivilisation" heute sterben wird. Allein der Umstand, dass damit mit nicht-trivialer Wahrscheinlichkeit Atomwaffen gemeint sein könnten, ist surreal.
Trump ist endgültig zum "Mad King" verkommen. Er hat den Verstand verloren. Er gehört aus dem Amt entfernt.
8/ Aussergewöhnliche Behauptungen erfordern aussergewöhnliche Evidenz. Diese müssen Journalisten auch dann einfordern, wenn sich eine Theorie moralisch richtig anfühlt.
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7/ Die Berichterstattung zu Gavazzenis Behauptungen ist ein Medienversagen. Dass ausländische Kämpfer in den Jugoslawienkriegen mitmachten, ist historisch belegt. Gavazzeni macht aber sehr viele sehr aussergewöhnliche Behauptungen, die weit darüber hinausgehen.
6/ Der Franzose hat allerlei Geschichten. Er erzählt, dass die Mörder farbige Patronenhülsen als Trophäen erhielten. Er erzählt, dass das internationale Netzwerk auch Grenzwächter und Ärzte umfasste, die vertuschten, wenn die Sniper-Touristen selbst umgebracht wurden. Belege? Null. Nichts. Nada.
5/ Il Francese ist ein angeblicher Drahtzieher der Sniper-Safaris, der Menschenjagden organisierte. Gavazzeni, der die Verbrechen aufdecken will, meldet diesen angeblichen Verbrecher aber nicht der Polizei, sondern macht ein Interview mit ihm und schützt seine Identität.
4/ Der Grossteil des Buches sind Interviews mit zwei angeblichen Insidern, “Innominato” und “Il Francese”. Innominato sagt, auch Kroaten und Slowenen hätten Sniper-Safaris durchgeführt. Ein italienischer Nachrichtendienst sei auch beteiligt gewesen. Sein Fazit: Tutto è possibile. Belege? Null.
3/ Gavazzenis Buch ist keine investigative Recherche. Es ist eine Aneinanderreihung von Behauptungen ohne jeden Beleg. Gavazzeni selbst erklärt im Vorwort, dass er mit seinem Buch nichts beweist.
2/ Die Medien stützen sich auf den italienischen Autor Ezio Gavazzeni. Sie behandeln seine Behauptungen als belegten Fakt. Ich habe etwas gemacht, was keiner der Journalisten gemacht hat: Ich habe Gavazzenis Buch “I cecchini del weekend” gelesen.
1/ Seit Monaten berichten Medien über “Sniper-Safaris” in Sarajevo. Ein internationales Netzwerk von Elite-Angehörigen, die nach Sarajevo reisten und viel Geld bezahlten, um unschuldige Menschen zu erschiessen. Am liebsten Kinder.
Die Geschichte hat nur einen Haken: Es gibt dafür keinerlei Beweise.
3/ Die Leserschaft ist nicht unendlich dumm. Man merkt, wenn ein Medienunternehmen keinen Stolz auf das hat, was es herstellt. Tamedia und Co. zerstören ihr eigenes Produkt.
2/ Das ist der feuchte Traum vieler Medienmanager: Journalismus möglichst ohne Journalisten. Da spart man Geld. Der Schuss wird aber nach hinten losgehen. In einer Zeit, in der das Internet von KI-Slop geflutet wird, wünscht sich niemand journalistischen KI-Slop. Niemand will dafür Geld ausgeben.
1/ Beim Medienkonzern Tamedia wird ein Grossteil des journalistischen Outputs inskünftig KI-generiert sein. Schon heute werden PR-Mitteilungen vollautomatisiert als Artikel veröffentlicht. Kein Witz.
5/ Die Übertragungsketten für rationale Ideen werden mürbe. Sie brechen auseinander.
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4/ Kommunikative Rationalität ist die Brücke zwischen individueller Rationalität und gesellschaftlichem Fortschritt. Und sie bricht gegenwärtig rasant weg. Die Brutalisierung der Aufmerksamkeitsökonomie schafft Fehlanreize für Irrationalität.
3/ Mit Sprechakten erheben wir den Anspruch, dass eine Behauptung gültig ist. Die Zuhörer erkennen diesen Anspruch und können kritisch darauf reagieren. Habermas nannte das: kommunikative Rationalität.
2/ Habermas war auf einer anderen Ebene stark: Bei seiner Analyse der Sprache. Kommunikation ist nicht nur Informationsübermittlung. Es ist eine besondere Form des Handelns – Sprechakte.
1/ Was bleibt von Jürgen Habermas? Es mag ketzerisch klingen: Seine Ideen zu deliberativer Demokratie finde ich nicht überzeugend. Zu unpräzise. Das sage ich als jemand, der seine Bücher verschlungen hat.
Ein Video, in dem man über eine Minute lang die Flammen zeigt, in denen sechs Menschen schrecklich getötet wurden, ohne jede Analyse oder Einordnung, hat nichts mit Journalismus zu tun. Das ist perverser Voyeurismus.
Sogar 20 Minuten sollte es besser wissen.
6/ Das machtpolitische Argument ist kurzsichtig. Völkerrecht gibt es nicht selektiv. Wenn es im Iran nicht gilt, dann auch nicht in der Ukraine oder in Grönland. Wenn nur zählt, wer die grösseren Bomben hat, meldet sich eben jemand, der die grösseren Bomben hat.
5/ Eine zweite Gruppe von Kriegsbefürwortern plädiert de facto für die Abschaffung des Völkerrechts, um eigene machtpolitische Interessen durchzusetzen. Friedrich Merz sagt, dass man Iran präventiv angreifen soll, weil er irgendwann eine Bedrohung sein könnte. 2003 lässt grüssen.
4/ Es ist moralisch nachvollziehbar, den Iran-Krieg aus humanitären Gründen zu befürworten. Aber Israel und die USA sagen explizit, es gehe nicht um Freiheit und Demokratie im Iran. Und historisch führen Kriege tendenziell zu humanitären Katastrophen, nicht zu Verbesserung.
3/ 2003 gab es grossen Widerstand gegen den Irak-Krieg. Weltweit protestierten Millionen Menschen gegen den Völkerrechtsbruch. Auch ich. Wir waren für die Wahrung des Völkerrechts, nicht für Saddam Hussein. In den Augen des heutigen enthemmten Kommentariats waren wir damals alle Baathisten. Absurd.
2/ Das Mullah-Regime ist eine brutale Diktatur, die nicht früh genug enden kann. Der Iran-Krieg ist trotzdem völkerrechtlich und auch rein machtpolitisch falsch. Solche Grautöne und Ambiguitäten haben im heutigen enthemmten öffentlichen Diskurs keinen Platz mehr.
1/ Als jemand, der 2003 den Beginn des Irak-Kriegs miterlebt hat, hätte ich mir nie träumen lassen, dass sich die irrationale diskursive Stimmung über 20 Jahre später nicht nur wiederholt, sondern noch intensiviert: Politik, Medien und das Kommentariat sind in ein kriegslüsternes Delirium verfallen.
7/ So schwierig es ist: Die Lösung können nur wir selbst sein. Wir müssen technologischen Risiken mit klugen Gesetzen und Regulierung begegnen. Wenn wir das Feld den Tech-Bossen überlassen, auch den “Guten”, verlieren wir alle.
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