Ob poetisch, programmatisch oder bürgerlich, konsequent oder kritisch, magisch oder verklärend, sozialistisch oder sozial, neu, neo oder post – realistische Verfahren bilden eine der zentralen Kontinuitäten literarischen Schreibens und infolgedessen eines der wesentlichen Interessengebiete literaturwissenschaftlicher Forschung seit ihrer disziplinären Konstitution. Jeweilige literaturtheoretische und -historische Diskurse stehen dabei oft nebeneinander, statt in einen produktiven Austausch über die Transformationen realistischer Schreibweisen im langen historischen Bogen zu treten. Grund genug, hier einen Widerspruch entgegenzusetzen: aabeR! Im Forschungsforum zum realistischen Schreiben vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart, das als thematische Erweiterung aus dem Forum Junge Raabe-Forschung hervorgegangen ist, soll realistisches Erzählen sowohl in historischer als auch in verfahrenstechnischer Hinsicht auf seine verschiedenen Formen, Randbereiche, Unschärfen und inneren Brüche, sein Potential und seine Grenzen hin diskutiert werden. Die intensive Auseinandersetzung mit dem ‚uneindeutigen‘ Realismus Wilhelm Raabes, in dessen Texten realistische und moderne, triviale und ästhetisch komplexe, bürgerlich-konventionelle und avantgardistische Erzählstrukturen in einem spannungsreichen Verhältnis stehen, hat uns auf die Notwendigkeit gestoßen, die vielfältigen Fragen, die sich aus Raabes Werk für die Realismusforschung ergeben, auf einen weiteren Bezugsrahmen auszudehnen und mit Blick auf realistische Literatur bis in die Gegenwart hinein neu zu denken.
Aus Raabe wurde #aabeR, ein Forschungsforum zum realistischen Schreiben vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart, das am 21. März seinen Online-Auftaktworkshop begeht. Alle Interessierten mögen sich bei Verena Ullmann @tubraunschweig.bsky.social und Tim Preuß @unihalle.bsky.social melden!