Später versammeln sich zahlreiche Bewohner*innen, die Ortsgruppe der NSDAP, SA und der BdM bei der katholischen Kirche, wo eine Eiche für den Führer gepflanzt wird. Den Spatenstich setzt der Tierarzt und Bürgermeister Gortan, der die Schaufel an Parteifunktionäre und SA-Männer weiterreicht. 2/2
Posts by Ein Ort
20. 4. 1938 Um 8 Uhr morgens versammeln sich Gläubige dem Ort vor der evangelischen Kirche, um einer Predigt für den Führer an dessen Geburtstag zuzuhören. In ihm und durch ihn, so heißt es, wurde sein Volk gesegnet. 1/2
19. 4. 1938 Um 19.30 marschiert die NSDAP mit allen Formationen am Hauptplatz auf, wo die Parteikapelle spielt und der Gutsverwalter Bauer eine Rede hält. Danach folgt ein Fackelzug durch die Hauptstraßen des Ortes, die Fenster entlang der Route wurden bereits tagsüber geschmückt.
17. 4. 1938 An diesem Ostersonntag ist der Gemeindesportklub Graz für das Eröffnungsspiel des neuen Sportplatzes vor Ort. Vor dem Spiel werden die Flaggen gehisst und der Obmann hält eine Ansprach inklusive Treuebekenntnis für den Führer und Großdeutschland. Graz siegt 2:1.
Vor der Abreise hat Isaak versucht auch seinen Freund Marton Rosenberger von der Flucht aus dem Ort zu überzeugen, doch dieser will immer noch nicht wahrhaben wie gefährlich die Situation mittlerweile ist. 3/3
etwas Werkzeug und Bettzeug mit nach Wien zu nehmen. Dort verschafft ihnen ein Bekannter ein Zimmer in der Wattgasse. Mehr als 10 Jahre hat die Familie bei der Witwe Lina Wohlmuth (77) in der Herrengasse, unweit des Hauptplatzes gewohnt. Die alte Frau bleibt im Ort zurück. 2/3
15. 4. 1938 Der Stiefelmacher Isaak Süsskind (40) flieht mit seiner Frau Netti (39) und der Tochter Edith (6) nach Wien. Isaak, der Vorstandsmitglied in der zionistischen Ortsgruppe ist, möchte so schnell wie möglich das Land verlassen. Er schafft es gerade noch zwei Schuhmachermaschinen, 1/3
Nun harren seine Frau Frieda (38), seine Söhne Josef (15), Paul (13) und Johann (9), sowie seine Mutter Malwine (87) und Schwiegereltern Heinrich (75) und Gisela (70) Frankl in der Busgarage aus. Auch seine Schwestern Wilma und Laura und sein Bruder Hugo sind mit ihren Familien vor Ort. 3/3
erhalten eine Sondergenehmigung, um der Gruppe jeden Tag etwas Essen über die Grenze zu bringen.
Einer der deportierten Juden ist Hugo Fellner, er wird heute 52 Jahre alt. Bis vor kurzem betrieb er ein Kurzwarengeschäft im Ort. 2/3
14. 4. 1938 In einer Busgarage in Bonisdorf treffen die beiden Gruppen deportierter Juden und Jüdinnen wieder aufeinander. Es ist ihnen untersagt die Grenze nach Jugoslawien zu überqueren, aber auch hier sind sie nicht erwünscht. Einige jugoslawische Jüd*innen erfahren von ihrem Schicksal und 1/3
die die Geschehnisse verstohlen hinter ihren Fenstern beobachten.
Diesmal wird die Gruppe von zwischen 7 bis über 90jährige in eine Busgarage in Bonisdorf gebracht. Wie es weitergehen soll, wissen sie nicht.
Im Ort bleiben ungefähr 100 jüdische Gemeindemitglieder zurück. 3/3
an die jugoslawische Grenze bringen soll, steht schon bereit.
Die Gestapo hat die Familien, wie auch vor wenigen Tagen, aus den Häusern geholt und bewacht nun die Deportation. Wieder gibt es einige Schaulustige, solche die am Straßenrand stehen und dann jene, 2/3
12. 4. 1938 Vor ihrem Wohnhaus am Hauptplatz steht die siebenjährige Lola Engel mit ihrer Puppe in der Hand. Ein paar Häuser weiter laufen zwei jüdische Frauen zu ihrer besten katholischen Freundin und umarmen sich weinend. Der Autobus, der Lola und nochmal ca. 20 weitere Juden und Jüdinnen 1/3
in einem zweiten Sammeltransport an die jugoslawische Grenze deportiert. Weder ihre beste Freundin noch ihr Freund werden sie je wiedersehen. 2/2
11. 4. 1938 Bei der alten Mauer im Garten ihrer besten Freundin trifft sich Frieda Rosenberger (23) im Schutz der Dunkelheit ein letztes Mal mit ihrem katholischen Freund Seppl. Morgen wird sie, ihre Familie und 20 weitere Juden und Jüdinnen 1/2
In Wien findet er in der Großen Mohrengasse ein Zimmer. Seine an Schizophrenie leidende Schwester Charlotte (35) und sein Vater Alexander (74) sind noch im Ort geblieben, es ist ungewiss, was mit ihnen passieren wird. 2/2
11. 4. 1938 Fluchtartig verlässt der Architekt Ernst Weisz (44) als einer der ersten den Ort Richtung Wien, wo er bereits in den letzten Jahren öfters gearbeitet und gelebt hat. Vielleicht hat er von der bevorstehenden zweiten Deportation an die jugoslawische Grenze gehört. 1/2
an der jugoslawischen Grenze aus. Niemand weiß, wie es weitergehen wird.
Es sind noch keine zwei Monate seit dem Tod seines Vaters Adolf vergangen, bei dessen Begräbnis so gut wie alle die im Ort etwas zu sagen haben, erschienen sind. 2/2
10. 4. 1938 Etwas mehr als 70km südlich des Ortes wird der gelernte Taschenmacher Max Adler 27 Jahre alt. Im Moment harrt er mit seiner Stiefmutter Mathilde (52) und seiner Halbschwester Grete (17) und anderen Juden und Jüdinnen des Ortes 1/2
Ede war zuvor in 2.Ehe mit Emilies Schwester Irén verheiratet, die bereits 1915 nach wenigen Jahren Ehe an Tuberkulose gestorben ist.Auch Róza,Edes erste Frau, ist an einem Lungenleiden gestorben. Róza, Irén und Ede sind am örtlichen jüdischen Friedhof begraben. Emilie und Ede haben keine Kinder.2/2
10. 4. 1938 Die Witwe Emilie Graner wird 59 Jahre alt. Sie lebt in der Hochstraße, wo sie mit ihrem Mann bis zu seinem Tod vor sieben Jahren ein Gemischtwarengeschäft führte. Seit seinem Ableben betreibt sie den Laden gemeinsam mit ihrem Bruder Ludwig (55), der auch bei ihr wohnt. 1/2
Bis vor kurzem kam ein katholisches Schulmädchen vorbei, das gegen ein kleines Taschengeld an Schabbat den Ofen anheizte. Die Mutter des Mädchens half Berta im Haushalt. Das erscheint mittlerweile undenkbar. 3/3
ihres Geschäftes. Auf Grund einer Krebserkrankung ist Berta sehr geschwächt. Ihr Bruder Rudolf (36), ein Handelsreisender, ist vor wenigen Wochen nach Jahren in Wien und Südamerika zurück gekommen und wohnte bis zu seiner Gefangennahme auch einige Wochen bei ihnen. 2/3
10. 4. 1938 Berta Engel wird heute 40 Jahre alt. Mit ihrem Mann Viktor(42) betreibt sie einen Gemischtwarenladen,der sich zwischen der katholischen Kirche und der Synagoge befindet. Die beiden haben eine kleine Tochter, Leopoldine (7), genannt Lola und leben in einer Zweizimmerwohnung überhalb 1/3
10. 4. 1938 Der Tag der Volksabstimmung über den Anschluss ist gekommen. Von den 2212 Stimmberechtigten stimmen im Ort 2204 mit Ja, 8 Ungültig und niemand mit Nein ab. Zum Abschluss des Tages gibt es nach Einbruch der Dunkelheit einen großen Fackelzug durch die Straßen der Gemeinde.
9. 4. 1938 Am Vortag der Volksabstimmung finden die Wahlkundgebungen ihren Höhepunkt. Angeführt von der Musikkapelle Haydn zieht die Bevölkerung durch den Ort, abends werden mehrere Höhenfeuer entfacht.
Die nächsten Tage schlafen sie in einer Herberge auf dem Steinboden und ernähren sich ausschließlich von Kartoffeln. Über 100 jüdische Bewohner*innen bleiben im Ort zurück, wo bereits die ersten Plünderungen jüdischer Geschäfte und Wohnhäuser stattfinden. 4/4
Einige Stunden später finden sie sich in Minihof-Liebau an der Grenze zu Jugoslawien wieder. Sie werden von den Zollbehörden untersucht und über die Grenze gejagt, wo sie nach einigen Kilometer von den jugoslawischen Behörden verhaftet und zurück nach Österreich gebracht werden. 3/4
neugierige Leute auf sie. Die Gruppe von ca.20 Personen, unter ihnen die Familien Adler, Spiegler und Benau wird in das Fahrzeug gedrängt. "Lachts nur,"ruft Eugen Spiegler (16), bevor er im Bus verschwindet,der gaffenden Menge zu, "wir werden mit dem Bus geholt, ihr werdet zu Fuß gehen müssen."2/4
8. 4. 1938 Einige der jüdischen Männer werden aus dem Gefängnis entlassen. Sie haben ca. eine Stunde Zeit um ihre Habseligkeiten in einen Koffer zu packen, dann werden sie mit ihren Familien von der Gestapo abgeholt und auf den Hauptplatz gebracht. Dort wartet ein Autobus, sowie zahlreiche 1/4