Eingewickelt in seine Jacke läuft er in den U-Bahnhof. Er stellt sich auf die Plattform und spricht über die Hintergründe der Protestwoche. „Die Leute sind abgefuckt und wütend" ", sagt er. „Keiner hat Vertrauen, dass diejenigen, die gerade am Hebel sitzen, etwas hinbekommen." Dem ARD-Deutschland Trend zufolge sind mit Stand Anfang April nur noch 15 Prozent mit der Arbeit der Regierungskoalition zufrieden, mehr als 84 Prozent sind unzufrieden. Jeschke sagt, es gebe viele Menschen, die sich dafür aussprechen, das Gemeinwohl in den Blick zu nehmen. „Gleichzeitig gibt es eine Spaltung", ", sagt er. „Rechte Hetzer" würden „Sündenbockgeschichten" erzählen, jene von den Ausländern oder Bürgergeldempfängern. Auch das falle auf fruchtbaren Boden. „Es gibt beide Seiten und so geht das nicht weiter, wir brauchen einen echten Wandel", *, sagt er. Seine Lösung sind Gesellschaftsräte und Diskussionsräume, die geöffnet werden. Lobbyismus kommt durch die Hintertür, wir kommen von vorn.
Eine Minute tanzen die drei Aktivisten vor den Stufen des Bundestags Nun will er aber erst einmal eine „kleine Aktion" durchführen: Tanzen vor dem Bundestag. Er nimmt die Treppe aus dem U-Bahnhof. Neben ihm seine beiden Mitstreiter, einer trägt die blaue Tasche, darin befindet sich ein Schemel aus Plastik. Fast wortlos streifen sie durch die Zaunlandschaft, die einmal der Platz der Republik war. Dann kommen sie vor den Absperrungen am Bundestag an. Kein Polizist ist zu sehen. Zur Hochzeit der Letzten Generation hätte er es wahrscheinlich nicht einmal mehr so weit geschafft. „Lobbyismus kommt durch die Hintertür, wir kommen von vorn" ", sagt Jeschke. Fast eine Minute lang steht er mit seinen beiden Mitstreitern im abgesperrten Bereich vor den Treppen des Bundestags, lässt das orangefarbene Tuch und einen Fächer über seinem Kopf hin und hergleiten, ehe Polizisten einschreiten. Sie packen die drei an den Armen und bringen sie in die Container des Besuchereingangs. Bei Regen, und vor keinem Publikum, tanzten die drei für eine Minute vor dem Bundestag. Was hat die Aktion gebracht?
Während Jeschkes Personalien aufgenommen werden, ist schon eine Pressemitteilung der Neuen Generation im Umlauf. Die Treppe vor dem Gebäude stehe symbolisch für den Zugang zur Macht, so die Sprecherin der Neuen Generation, Lilli Nix. „Mit diesem Protest haben sich drei Menschen auf friedlichste Weise den Zugang zur Macht ertanzt. Denn das ist es, was die Neue Generation ausmacht: Wir geben die Macht den Menschen zurück." Am Morgen erzählt eine unbeteiligte Mitstreiterin davon, dass es auch um die Erzeugung von Bildern gehe. Der Tanz vor dem Bundestag, er wirkt anders, wenn man ihn auf Social-Media-Kanälen sieht. Für Jeschke endet die Aktion mit einer Strafanzeige. Gegen ihn und seine Mitstreiter wurde ein Ermittlungsverfahren wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs eingeleitet, so eine Polizeisprecherin auf Nachfrage. JULIAN WURZER