Es war in Hamburg noch nie einfacher nachzuschauen, ob die eigene Miete zu hoch ist. Seit mehr als einem Jahr gibt es dafür sogar gleich zwei Werkzeuge, die "Mietwucher-App" der Linken und den "Mietenmelder" des rotgrünen Senats. Ein paar Klicks und das Ergebnis ist da. Nur, was passiert dann? Nichts- bis auf eine Eingangsbestätigung. Seit Anfang 2025 wurde in den Hamburger Bezirken kein einziger der mehreren hundert Fälle von möglichem Mietwucher, die ihnen weitergeleitet wurde (359 bei der Stadt Hamburg, 1010 über die App der Linken) abschließend bearbeitet. Das musste der Senat auf eine Anfrage der Linken jüngst einräumen, die zuständigen Stellen seien mit einer Vielzahl anderer Aufgaben beschäftigt. Es hätten daher keine rechtlichen Verfahren eingeleitet, Vermietende kontaktiert oder Fälle abgeschlossen werden. Der rot-grüne Senat hatte Projekt im Februar 2025, kurz vor der Bürgerschaftswahl, aufgesetzt. Wenige Wochen vorher, im November 2024, hatten die Linken deutschlandweit mit ihrer Mietwucher-App positive Schlagzeilen erzeugt, es wirkte als wollten SPD und Grüne dem unbedingt etwas Eigenes entgegensetzen.
Die neue Taskforce mit sechs Stellen für ganz Hamburg "wird niemanden abschrecken, so lässt der Senat seinen Mietenmelder zu einem Papiertiger verkommen." (Sudmann) Was in Hamburg möglich sei, wenn der Senat es wolle, zeige sich an der geplanten Olympiabewerbung, findet Sudmann. Für die neugeschaffene Vorzeigeprojektgruppe seien im vergangenen Jahr 20 Stellen geschaffen worden. Ende Mai 2026 entscheiden die Hamburger und Hamburgerinnen in einem Referendum darüber, ob die Stadt offiziell in das Bewerbungsverfahren eintritt.
12,5 geplante Stellen für Mietenmelder in den Bezirksämtern nie besetzt, aber 20 Stellen für Olympia aus dem Boden gestampft.
Dafür soll es jetzt eine Taskforce mit 6 (!) Stellen in der Baubehörde geben!
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