Blumen an der Böschung eines Bahndamms. Transparent darüber gelegt das Foto eines jungen Mannes im Anzug, die Hände in den Hosentaschen. Dazu der Text:
Theodor Kramer
LIED AM BAHNDAMM
Süß das schwarze Gleis entlang
duftet die Kamille;
Mückenschwall und Vogelsang
sind verstummt, die Grille
regt allein sich schrill im Sand,
und uns beide, Hand in Hand,
überkommt die Stille.
Rote Tropfen streut der Mohn
über Hand und Stätte,
auf dem Stockgleis der Waggon
ist heut unser Bette,
wo man uns zwei schlafen läßt,
und schon hält dein Haar mich fest,
als ob’s Finger hätte.
In der Tür das Blau wird satt,
Sterne schaukeln trunken;
wenn auf Spelt und Schaufelblatt
sprühen jähe Funken,
und ein Zug vorüberfährt,
bleib ich ganz dir zugekehrt,
ganz in dich versunken.
Am 3. April 1958 starb d Journalist u Lyriker Theodor Kramer in Wien.
Als Sozialist geriet er ins Visier des Austrofaschismus, als Jude in das der Nazis. Seine Mutter wurde in der Shoa ermordet. Er konnte sich ins Exil nach England retten. In Österreich ist er nie wieder richtig heimisch geworden.