Erntefest 2025
_Ursprünglich wollte ich die Kurzinfo schon Freitagabend auf dem Blog gebracht haben, mein Handy hatte diesen Vorschlag allerdings mit Nein quittiert und so gibt es nun hier die lange Version des Wochenendes:_
Die Steinhorster Landjugend weiß, wie man feiert. Das zeigte sich am vergangenen Wochenende einmal mehr beim traditionellen Erntefest, das bereits zum neunten Mal in der stimmungsvoll geschmückten Kartoffelscheune der Familie Drögemüller im Heidloh stattfand. Wieder ein Wochenende lang volles Programm, das Theaterfreunde, Tanzliebhaber, Glückspilze und Nachtschwärmer gleichermaßen begeisterte.
Den Auftakt am Freitagabend machte das Theaterstück _„Hausbesuche sind auch Sprechstunden“_. Wochenlang hatten die Schauspieler der Landjugend Texte gelernt und erst vor kurzem die Kulisse gezimmert – und das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Auf der Bühne gaben Albert Speer, seines Zeichens eigentlich Tierarzt mit größeren Arztpraxis-Ambitionen, und seine miesgelaunte Schwester und Arzthelferin Agnes den Ton an. Ihre Praxis dümpelte zwar vor sich hin, doch dank einer bunten Mischung an Patienten und etwas alternativen hochpreisigen Behandlungsmethoden wurde es nie langweilig. Zumal der Doktor selbst viel zu „Hausbesuchen“ unterwegs war, die besonders stressig ausfielen, wenn der Ehemann der „Patientin“ früher als erwartet daheim aufkreuzte.
In der Praxis selbst ging der Hypochonder Herr Tölpel fast schon täglich ein und aus, die zwei Tratschtanten des Dorfes – eine davon nicht nur unheimlich gesprächig, sondern auch mit deutlicher Vorliebe für männliche Gesellschaft – sorgten ebenfalls für Unruhe. Auch Pfarrer Schwarz, der nicht nur hin und wieder mit dem Glauben, sondern auch tatkräftig mit dem Alkohol rang, suchte regelmäßig Hilfe beim Doktor. Dazu mischte sich noch der berüchtigte Juwelendieb Anton Knack, der ausgerechnet im Behandlungszimmer nach den legendären Juwelen eines Maharadschas suchte. Das turbulente Verwirrspiel, bei dem es zusätzlich zu den alltäglichen Praxisproblemen auch noch um das Antreten eines vorgeblich aussichtsreichen Erbes ging, nahm munter seinen Lauf. Das Publikum quittierte die rasante Verwechslungskomödie mit reichlich Gelächter und langem Applaus.
Für Benedict Schmidt war der Abend ein kleiner Abschied: Mit seiner Rolle als Hypochonder Herr Tölpel sagte er nach insgesamt zwölf Stücken der Theaterbühne der Landjugend Lebewohl. „Das war mein letztes Mal als aktiver Schauspieler“, verriet er. Dadurch, dass das Erntefest in der Coronazeit zweimal ausfallen musste, verpasst er damit allerdings den Allein-Rekord an Einsätzen im Theaterspiel, der derzeit bei 13 liegt (nach meinen Informationen müsste das Philipp Trunkwalter sein).
Passend dazu wird es im kommenden Jahr auch kein klassisches Theaterstück geben – die Landjugend bereitet stattdessen etwas Besonderes vor. Vom 4. bis 6. September 2026 feiert sie ihr 70-jähriges Jubiläum und lädt zu einem großen Festwochenende ein, das in seiner Form etwas vom gewohnten Erntefest abweichen wird.
Nach dem Theater hieß es: Tanzfläche frei! Unter der prachtvollen Erntekrone führte die Volkstanzgruppe ihre traditionellen Tänze auf – sogar ein neuer Tanz war eigens für das Fest wieder entstaubt worden. So mancher Gast klatschte begeistert im Takt mit.
Traditionell folgt nach dem Theater und den Tänzen die Proklamation des neuen Erntekönigs. Die Wahl fiel in diesem Jahr auf Ingo Schilling, der in seiner aktiven Landjugendzeit schon fast alle Rollen einmal innehatte – ob als Vorstandsmitglied, Tänzer oder Theaterspieler. Ein Mann, der wie kaum ein anderer mit der Landjugend verbunden ist und beinahe am Abend sogar noch als Volkstänzer eingesprungen wäre, war obendrein der am längsten amtierende männliche 1. Vorsitzende der Steinhorster Landjugend.
Sichtlich bewegt nahm er die Krone entgegen und dankte den Mitgliedern mit einer kurzen, aber herzlichen Rede. Gemeinsam mit seiner Frau Kira lud er alle Anwesenden schon am Abend zur großen Gartenparty am Sonntag ein, bei der die Krone feierlich überbracht werden sollte.
Doch bevor das Wochenende weiter seinen Lauf nahm, wurde am Freitagabend natürlich noch stimmungsvoll weitergefeiert. Die große Tombola sorgte für strahlende Gewinnergesichter, und als schließlich das DJ-Team „Partysensation“ auflegte, war die Tanzfläche schnell gefüllt. Bis tief in die Nacht wurde getanzt, gesungen und gefeiert, ganz wie es sich für ein Steinhorster Erntefest gehört.
Am Samstagmorgen hieß es dann für die Landjugend: Ausschlafen und Auskatern? Fehlanzeige! Stattdessen wurde die liebevoll aufgebaute Theaterbühne wieder abgebaut und die Kartoffelscheune zurück in ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Schließlich ist die Ernte ja im vollen Gange.
Am Sonntag folgte dann der Höhepunkt für den frisch gekrönten König: Die Landjugend brachte Ingo Schilling seine Erntekrone, die in Handarbeit aus Getreide gebunden und festlich geschmückt worden war. Bei Bier, Kaltschale und der unverzichtbaren Hochzeitssuppe wurde angestoßen, gelacht, getanzt und erzählt. Nachbarn, Freunde, Familie, Interessierte, Ehemalige und natürlich die Landjugendmitglieder feierten gemeinsam bei richtigem Kaiserwetter – und so wurde die Krone nicht nur ordentlich „begossen“, sondern auch mal wieder zu einem echten Mittelpunkt der Dorfgemeinschaft.
_Bilder & Bericht: Vanessa Deckwer_