Zwischenbericht
Aktenzeichen:
BEU-uu2022-06/002-3323
Stand:
03.06.2024 Version: 2.0
Erstveröffentlichung:
01.06.2023
Gefährliches Ereignis im Eisenbahnbetrieb
Ereignisart:
Zugentgleisung
Datum:
03.06.2022
Zeit:
12:16 Uhr
Benachbarte Betriebsstellen:
Bf Garmisch-Partenkirchen – Bf Farchant
Streckennummer:
5504
Kilometer:
97,676
Zwischenbericht
Zugentgleisung, 03.06.2022, Bf Garmisch‐Partenkirchen – Bf Farchant
2 Zugentgleisung am 03.06.2022 zwischen Bf Garmisch‐Parten‐
kirchen und Bf Farchant
Dieser Zwischenbericht enthält eine Kurzbeschreibung des Ereignisses und der Ereignisfolgen.
Im Weiteren wird auf den Stand der Untersuchung eingegangen. Die zum Zeitpunkt der
Veröffentlichung dieses Zwischenberichtes iden fizierten Sicherheitsprobleme werden im
vorletzten Abschni benannt.
2.1 Kurzbeschreibung des Ereignisses
Am 03.06.2022 gegen 12:16 Uhr entgleiste der Personenzug RB-D 59458 auf der Fahrt von
Garmisch-Partenkirchen nach München Hbf zwischen den Bahnhöfen (Bf) Garmisch-Partenkirchen und Farchant in km 97,676. Aus nachfolgender Abbildung, ist die geographische Lage
des Ereignisortes zu entnehmen.
Abbildung 1: Lageplan Ereignisort1
Die Zugentgleisung ereignete sich auf der eingleisigen, elektrifizierten Hauptbahn
München Hbf – Mi enwald (DB-Grenze) im Streckenabschni zwischen den Bf Farchant und
Garmisch-Partenkirchen im Streckenkilometer 97,676. Zwischen dem Bf Garmisch-
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Quelle: Geobasisdaten: © GeoBasis-DE / BKG [2022], bearbeitet durch BEU
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Zugentgleisung, 03.06.2022, Bf Garmisch‐Partenkirchen – Bf Farchant
Partenkirchen und dem Grenzpunkt Mi enwald (DB-Grenze) war die Strecke als Nebenbahn
eingestu .
Die
Strecke
wurde
gemäß
Verzeichnis
der
örtlich
zulässigen
Geschwindigkeiten (VzG) mit der Streckennummer 5504 geführt. Die Betriebsdurchführung
erfolgte nach den Regeln FV-DB. Die maximal zugelassene Geschwindigkeit auf der Strecke
betrug gemäß VzG 140 km/h, am Ereignisort 100 km/h, bei einem Bremsweg von 700 m. Die
Strecke war mit digitalem Zugfunk GSM-R und punk örmiger Zugbeeinflussung ausgerüstet.
2.2 Folgen
Bei der Zugentgleisung wurden fünf Personen tödlich, 16 Personen schwer und 62 Personen
leicht verletzt. An den Fahrzeugen und an der Infrastruktur entstand durch die Zugentgleisung
ein Sachschaden in geschätzter Höhe von 4.750.000 Euro. Der betroffene Streckenabschni
war nach dem Ereignis für mehrere Monate gesperrt.
2.3 Untersuchungsfortgang
Die Untersuchung befindet sich im Prozessschri
Informa onen
zu
den
4 -Sachverhaltsanalyse-. Weitere
Untersuchungsprozessschri en
sind
im
Internet
unter
www.beu.bund.de abru ar.
2.3.1 Ereignishergang
Am 03.06.2022 verließ der Personenzug RB-D 59458 um 12:14 Uhr mit einer Verspätung von
ca. sieben Minuten den Bf Garmisch-Partenkirchen in Richtung München Hbf. Der Zug
RB-D 59458 verkehrte als lokbespannter Wendezug und war aus fünf Doppelstockwagen
sowie einer elektrischen Lokomo ve der Baureihe 111 am Schluss des Zuges gebildet. Die
nachfolgende Abbildung verdeutlicht die Zugkonfigura on am Ereignistag.
Abbildung 2: Zugkonfigura on RB-D 59458
Nach etwa zwei Kilometer Fahrt erreichte der Zug die im Streckenabschni
zugelassene
Geschwindigkeit von 100 km/h. In Höhe des Gemeindeteils Burgrain befuhr der Zug nahezu
mit dieser Geschwindigkeit einen Linksbogen.
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Innerhalb dieses Bogens mit dem Radius 407 m entgleiste im km 97,676 gegen 12:16 Uhr der
Zug mit allen Fahrzeugen. Die folgende Abbildung beinhaltet einen Auszug des IVL-Plans der
Entgleisungsstelle.
Abbildung 3: Auszug IVL-Plan Streckenabschni Farchant – Garmisch-Partenkirchen
Aufgrund der vorhandenen Trassierung mit maximaler Ausnutzung des zulässigen
Überhöhungsfehlbetrages uf = 130 mm wirkten hohe Krä e auf das Gleis.
Die durch die Zugfahrt auf den Oberbau einwirkenden Krä e, konnten von den im Bogen
verbauten, vorgeschädigten Spannbetonschwellen nicht mehr aufgenommen werden und
führten im Bereich der Schienenauflager / Sicken schließlich zu einem Versagen der Struktur.
Infolgedessen kam es zu einer Verschiebung des gesamten Schwellenauflagers zur
Bogenaußenseite. Hierdurch kam es zu einer unzulässigen Spurerweiterung und der Zug verlor
zunächst den Kontakt zu der in Fahrtrichtung linken Schiene, während die in Fahrtrichtung
rechte Schiene weiter befahren wurde. Unmi elbar danach folgten wieder intakte
Spannbetonschwellen, wodurch sich die Spurweite wieder in Richtung zulässiges Maß
verkleinerte. An dieser Stelle kam es zu einem mechanischen Zwang, so dass auch die noch
auf der rechten Schiene laufenden Räder zur Bogenaußenseite gedrückt wurden und die
Schiene überkle erten. In Folge der Entgleisung rutschten der dri e und vierte Wagen die
Böschung in Richtung der parallel verlaufenden Bundesstraße B 23 herunter. Der zweite und
dri e Wagen kippten um, wobei am dri en Wagen die Seitenwand durch die Kollision mit
einem Oberleitungsmast teilweise aufgerissen wurde. Die anderen Fahrzeuge des Zuges
kamen im entgleisten Zustand auf dem Gleis zum Stehen.
Die am Ereignisort vorgefundenen Spannbetonschwellen mit Schienenauflager / Sicken sind
in der folgenden Abbildung dargestellt.
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Zwischenbericht über Zugentgleisung am 03.06.2022 in Garmisch-Partenkirchen - Farchant
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