Und ja: Auch wir haben keine „eigene“ Definition. Wir haben uns diese Debatte nicht ausgedacht – sie wurde uns aufgezwungen. Aber wir haben das Glück, auf vielfältige Vorarbeiten zurückgreifen zu können: auf jüdische Stimmen, Wissenschaft, politische Analysen. Wir bedienen uns unter anderem beim 3-D-Test (4-D-Test) und der IHRA, gleichen aber auch Aussagen mit der JDA ab – nicht, weil wir sie für maßgeblich halten, sondern um zu verstehen, wie Gegenargumentationen strukturiert sind und an welchen Stellen wir uns klar abgrenzen müssen. Die Jerusalemer Erklärung sehen wir – wie viele andere auch – eher kritisch, da sie in ihrer Ausgestaltung potenziell missverständlich ist und in bestimmten Kontexten zur Relativierung oder Entpolitisierung israelbezogenen Antisemitismus beitragen kann. Dennoch kann sie hilfreich sein, um eigene Positionen zu schärfen.
Wir legen keine dieser Definitionen absolut fest – weil Antisemitismus keine statische Erscheinung ist. Er verändert sich – und mit ihm muss sich auch unsere Analyse verändern. Früher war es Antijudaismus, später ein rassifizierender Antisemitismus, nach 1945 zeigt sich der offene Hass vor allem im Antizionismus, getarnt als „Israelkritik“. Wer diese Kontinuitäten nicht erkennt, versteht auch die heutigen Formen nicht. Doch wir bleiben realistisch: Hier wird nicht Austausch gesucht, sondern ein Feindbild. In solchen Kontexten geht es nicht um Argumente – der politische Diskurs wird ersetzt durch Abwertung und Zuschreibung.
Dabei wäre er nötiger denn je. Denn wir leben in einer Zeit, in der autoritäre Bewegungen weltweit auf dem Vormarsch sind – in Deutschland, in Russland, in den USA, im Iran – und ja, auch in Israel. Gerade deshalb brauchen wir eine reflektierte, selbstkritische, emanzipatorische Bewegung, die sich Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen entgegenstellt. Und zwar ohne Ausflüchte.
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#KeinPlatzFürAntisemitismus