Artikel aus der Tageszeitung Die Rheinpfalz vom 30.12.2024. Text ab hier:
Kritik an Musk nach erneutem AfD-Lob
Zeitungsbeitrag des US-Milliardärs zur Bundestagswahl
Der US-Milliardär Elon Musk hat seinen Wahlaufruf für die AfD bei der Bundestagswahl erneuert und dafür Kritik aus der Medienbranche und der Politik geerntet.„Die Alternative für Deutschland (AfD) ist der letzte Funke Hoffnung für dieses Land“, schrieb Musk in einem Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag“ (Wams). Bei den Themen Wirtschaftsbelebung, Energieversorgung und Kontrolle der Migration vertrete die AfD die richtigen Standpunkte. Musk schrieb in der Zeitung weiter: „Die Darstellung der AfD als rechtsextrem ist eindeutig falsch, wenn man bedenkt, dass Alice Weidel, die Vorsitzende der Partei, eine gleichgeschlechtliche Partnerin aus Sri Lanka hat! Klingt das für Sie nach Hitler?“ Das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet die AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall. Der Kanzlerkandidat der Union, Friedrich Merz, kritisierte Musks Verhalten. „Ich kann mich nicht erinnern, dass es in der Geschichte der westlichen Demokratien einen vergleichbaren Fall der Einmischung in den Wahlkampf eines befreundeten Landes gegeben hat“, sagte der CDU-Chef den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Wahlaufruf sei „übergriffig und anmaßend.“ SPD-Generalsekretär Matthias Miersch sagte dem „Handelsblatt“: „Es ist inakzeptabel, dass ausländische Milliardäre versuchen, unsere politische Landschaft zu beeinflussen und dabei Parteien unterstützen, die unsere demokratischen Werte untergraben.“ In der „Wams“ widersprach der künftige Chefredakteur der „Welt“-Gruppe, Jan Philipp Burgard, den Ausführungen des Milliardärs: „Musks Diagnose ist korrekt, doch sein Therapieansatz, nur die AfD könne Deutschland retten, ist fatal falsch.“ Beide Beiträge – der von Musk und der von Burgard – waren in der gedruckten Zeitung direkt nebeneinander platziert. Innerhalb der Redaktion führte der Musk-Beitrag zu Ärger. Die Ressortleiterin Meinung von „Welt“ und „WamS“ der Zeitungsgruppe Welt postete auf X, sie habe als Konsequenz aus dem Musk-Text „nach Andruck meine Kündigung eingereicht“. Auch andere „Welt“-Journalisten posteten öffentlich auf X ihren Unmut. Mehreren Medienberichten zufolge soll der Abdruck des Gastbeitrages von Musk bereits vor Heiligabend eine heftige Kontroverse innerhalb der Redaktion ausgelöst haben. So habe der Redaktionsausschuss schon damals vor der Veröffentlichung gewarnt, schreibt der Branchendienst „Medieninsider“; der „Spiegel“ berichtet von weiterem Streit in der finalen Redaktionskonferenz am Freitag. Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Mika Beuster, rief Redaktionen dazu auf, sich im anstehenden Bundestagswahlkampf nicht instrumentalisieren zu lassen und „extrem sorgfältig“ mit Gastbeiträgen umzugehen. „Deutsche Medien dürfen sich nicht als Sprachrohr von Autokraten und deren Freunden missbrauchen lassen“, teilte Beuster mit.
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Es gibt #Journalistinnen mit Haltung, wie #Ressortleiterin Eva Marie #Kogel.
Wer von uns hätte die Courage, zu kündigen? Sie verdient Anerkennung!
Für die (Chef)redaktion der #WELT #WamS nichts Besonderes, die oft genug durch Abweichen von journalistischen Standards auffällt 🤷🏽
#Journalismus