Beim Parlamentarischen Abend des Verbands im Oktober habe er mit dem AfD-Mann Holm gesprochen, erzählt Behn. Der sei "wirtschaftlich unbedarft" gewesen und es habe ihm an "Sachverstand" gemangelt, sagt Behn. "Ich hätte ihn gerne gestellt, aber das hat die Diskussion nicht hergegeben."
Damit ist man beim nächsten Problem, das der Verband womöglich unterschätzt hat: Mit Vertreterinnen und Vertretern der AfD zu diskutieren, um sie zu überführen und zu widerlegen, ist alles andere als einfach. "Wenn du mit solchen Typen redest, dann instrumentalisieren die das", sagt ein Mitglied der Führungsriege des Verbands. Auch das hat man offenbar falsch eingeschätzt.
Oliver Drews etwa, Chef der Hamburger Kommunikationsfirma Telio und zwölf Jahre lang stellvertretender Landesvorsitzender des Verbandes in Hamburg, fand diesen Beschluss richtig. Es sei nie um eine Annäherung an die AfD gegangen, sagt er. "Eigentlich wollen wir alle dasselbe", meint Drews. Nämlich: die AfD wieder klein bekommen. "Jetzt sind wir keinen Schritt weiter, im Gegenteil." Am Ende profitiere von dieser "Spaltung der Familienunternehmer in zwei Lager" nur die AfD.
Viele Regionalvorsitzende des Verbands klingen ähnlich: Ein großer Teil der 6.500 Mitglieder sei einverstanden gewesen mit der ursprünglichen Entscheidung, das Kontaktverbot aufzuheben, heißt es. Manche begrüßten sie ausdrücklich. "Ich habe viel positive Rückmeldung bekommen", sagt etwa Peter Bollhagen, Regionalvorsitzender in Bremen.
Immer wieder kommt in den Telefonaten mit Mitgliedern dieselbe Argumentation: Die Brandmauer sei gescheitert, ein Viertel der Bevölkerung wähle inzwischen die AfD. Als Verband müsse man deshalb auch mit deren Vertretern reden. Das bedeute nicht, deren Positionen zu übernehmen. Im Gegenteil: Das Ziel, sich inhaltlich "dem Feind zu stellen", wie es ein Unternehmer formuliert, sei ein lobenswerter Ansatz. "Dass jetzt der Rückzieher gemacht wird, finde ich persönlich scheiße", sagt ein Vorstandsmitglied eines Regionalbereichs, das ebenfalls anonym bleiben möchte. Auch die Kommunikation des Verbands stört viele Mitglieder, ein Unternehmer sagt: "Die Woche war eine Katastrophe."
No shit Sherlock #MitRechtenreden funktioniert nicht, will man aber trotzdem.
„Viele andere stehen aber nach wie vor hinter Ostermanns eigentlichem Vorstoß, mit der AfD zu reden. Ostermann hat damit ja einen Gremienbeschluss umgesetzt.“
#Ostermann #Familienunternehmer
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