Advertisement · 728 × 90
#
Hashtag
#CPeymann
Advertisement · 728 × 90

#CPeymann #Heldenplatz
Der verlinkte Artikel dokumentiert die Aufregungen im Vorfeld der Heldenplatz Premiere, die Politiker aller Parteien erfasst hatte.
Die Rolle der Medien, von KLZ bis Krone, von Presse bis Standard, war
auch keine kleine.
www.uibk.ac.at/literaturkri...

2 0 1 0
Ihr Vertrag als Burgtheaterdirektor läuft noch drei Jahre. Nachfolger von Peter Zadek in Hamburg können Sie nicht mehr werden.
CLAUS PEYMANN: Wollte ich gar nicht. Dort hat man eine drittklassige Figur aus England, Bogdanov oder wie der heißt, zum Intendanten gewählt, weil er die Etatkürzungen mitmacht. Das ist das Ende des Hamburger Schauspielhauses.
Wie lange wollen Sie in Wien weitermachen?
PEYMANN: Solange ich produktiv arbeiten kann. Wenn Sie wüßten, was für eine Scheiße ich hier erlebe! Man müßte dieses Theater von Christo verhüllen und abreißen lassen. Vielleicht schmeiße ich morgen schon alles hin. Beim österreichischen Kanzler Vranitzky liegt gerade ein Rücktrittsgesuch.

Ihr Vertrag als Burgtheaterdirektor läuft noch drei Jahre. Nachfolger von Peter Zadek in Hamburg können Sie nicht mehr werden. CLAUS PEYMANN: Wollte ich gar nicht. Dort hat man eine drittklassige Figur aus England, Bogdanov oder wie der heißt, zum Intendanten gewählt, weil er die Etatkürzungen mitmacht. Das ist das Ende des Hamburger Schauspielhauses. Wie lange wollen Sie in Wien weitermachen? PEYMANN: Solange ich produktiv arbeiten kann. Wenn Sie wüßten, was für eine Scheiße ich hier erlebe! Man müßte dieses Theater von Christo verhüllen und abreißen lassen. Vielleicht schmeiße ich morgen schon alles hin. Beim österreichischen Kanzler Vranitzky liegt gerade ein Rücktrittsgesuch.

Gedroht haben Sie bereits öfter. Worum geht es denn diesmal?
PEYMANN: Um eine Lüftungsanlage. Es gibt im Haus drei Lüftungsanlagen, die behördlich erzwungen wurden und alle außer Betrieb sind. Jetzt will man eine vierte einbauen. Dieses Land ist ein Irrenhaus. Hier muß zum Beispiel der Bauminister persönlich die Verantwortung für eine Kiste tragen, die in der Fallbahn des Eisernen Vorhangs steht. Über eine Zigarette, die auf der Vorbühne geraucht wird, entscheidet der Bundeskanzler. An solchen Entsetzlichkeiten der banalsten Art werde ich scheitern.
Oder Sie konzentrieren sich auf das Wesentliche.
PEYMANN: Die Kiste war wesentlich, die Zigarette auch. Das sind für einen Regisseur Lebensfragen. Der Thomas Bernhard bringt sich um, wenn zwei
Tippfehler sein Stück entstellen.

Gedroht haben Sie bereits öfter. Worum geht es denn diesmal? PEYMANN: Um eine Lüftungsanlage. Es gibt im Haus drei Lüftungsanlagen, die behördlich erzwungen wurden und alle außer Betrieb sind. Jetzt will man eine vierte einbauen. Dieses Land ist ein Irrenhaus. Hier muß zum Beispiel der Bauminister persönlich die Verantwortung für eine Kiste tragen, die in der Fallbahn des Eisernen Vorhangs steht. Über eine Zigarette, die auf der Vorbühne geraucht wird, entscheidet der Bundeskanzler. An solchen Entsetzlichkeiten der banalsten Art werde ich scheitern. Oder Sie konzentrieren sich auf das Wesentliche. PEYMANN: Die Kiste war wesentlich, die Zigarette auch. Das sind für einen Regisseur Lebensfragen. Der Thomas Bernhard bringt sich um, wenn zwei Tippfehler sein Stück entstellen.

PEYMANN: Ich weiß das. Ich lebe zwar mit Kurt Waldheim in einer Stadt und arbeite nur 200 Meter von seinem Büro entfernt. Aber sonst verbindet mich mit diesem Mann gar nichts. Er hat mich erst neulich überraschenderweise in den Nacken geküßt.
Sie scherzen
PEYMANN : Nein. Er hat sich von hinten an mich herangeschlichen. Ich saß mit einem Besucher im Hotel Imperial. Plötzlich kam von hinten der Bundespräsident an mich heran und küßte mich. Er war im "Richard" gewesen und wollte mir gratulieren. Auch seine Frau sei ganz begeistert. Seine Tochter habe noch nie einen so guten "Richard" gesehen. Er überschlug sich förmlich.
Mein Gegenüber konnte es kaum fassen.
War Ihnen das angenehm?
PEYMANN: Was sollte ich machen? Es war eine Vergewaltigung.
In der Öffentlichkeit haben Sie sich zum Thema Waldheim bisher zurückgehalten.
PEYMANN: Ja, weil es ihm doch nur nützen würde, von einem, der politisch links steht, beschimpft zu werden. Aber in der Arbeit bin ich auf das Thema schon eingegangen.
Indem Sie Hochhuths "Stellvertreter" aufführen ließen?
PEYMANN: Zum Beispiel.
Finden Sie das Stück gut?
PEYMANN: Nein, grauenhaft, und ich würde es auch nie inszenieren. Aber es hat herrlich gepaßt. In diesem Land mit einer katholischen Personalpolitik, die zum Himmel stinkt, in dieser Wenderepublik Österreich, wo unter dem Deckmantel des Katholizismus wirklich alles legalisiert wird, war dieses Stück, noch dazu im Jahr des Papstbesuchs, die einzige moralisch richtige Antwort.
Darüber ließe sich streiten.
PEYMANN: Inwiefern?
4
Der wahre Moralist sucht den Mörder in sich, nicht im andern.

PEYMANN: Ich weiß das. Ich lebe zwar mit Kurt Waldheim in einer Stadt und arbeite nur 200 Meter von seinem Büro entfernt. Aber sonst verbindet mich mit diesem Mann gar nichts. Er hat mich erst neulich überraschenderweise in den Nacken geküßt. Sie scherzen PEYMANN : Nein. Er hat sich von hinten an mich herangeschlichen. Ich saß mit einem Besucher im Hotel Imperial. Plötzlich kam von hinten der Bundespräsident an mich heran und küßte mich. Er war im "Richard" gewesen und wollte mir gratulieren. Auch seine Frau sei ganz begeistert. Seine Tochter habe noch nie einen so guten "Richard" gesehen. Er überschlug sich förmlich. Mein Gegenüber konnte es kaum fassen. War Ihnen das angenehm? PEYMANN: Was sollte ich machen? Es war eine Vergewaltigung. In der Öffentlichkeit haben Sie sich zum Thema Waldheim bisher zurückgehalten. PEYMANN: Ja, weil es ihm doch nur nützen würde, von einem, der politisch links steht, beschimpft zu werden. Aber in der Arbeit bin ich auf das Thema schon eingegangen. Indem Sie Hochhuths "Stellvertreter" aufführen ließen? PEYMANN: Zum Beispiel. Finden Sie das Stück gut? PEYMANN: Nein, grauenhaft, und ich würde es auch nie inszenieren. Aber es hat herrlich gepaßt. In diesem Land mit einer katholischen Personalpolitik, die zum Himmel stinkt, in dieser Wenderepublik Österreich, wo unter dem Deckmantel des Katholizismus wirklich alles legalisiert wird, war dieses Stück, noch dazu im Jahr des Papstbesuchs, die einzige moralisch richtige Antwort. Darüber ließe sich streiten. PEYMANN: Inwiefern? 4 Der wahre Moralist sucht den Mörder in sich, nicht im andern.

#CPeymann #Zitate
Ach, waren das Zeiten der Erregung.
Ich denke z. B. an das ZEIT-Interview mit André Müller, in dem Peymann bekannte, Waldheim habe ihn in den Nacken geküsst.
„Ich bin ein Sonntagskind“
die ZEIT 22/1988

3 0 0 0