Nachricht an die Redaktion von Caren Miosga, NDR
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich schreibe Ihnen aus Bestürzung und Fassungslosigkeit über die Vorschau auf Ihre für Sonntag geplante Sendung mit der vorab veröffentlichten Frage "Ist Trump ein Vorbild für Deutschland, Herr Chrupalla?". Abgesehen davon, dass das Platforming des Vorsitzenden einer als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei der demokratischen Kultur nicht nützt, sondern schadet und kein Zeichen von seriösem Journalismus ist, kann doch nach den Geschehnissen der ersten 12 Monate von Donald Trumps zweiter Amtszeit die Fragestellung nicht Ihr Ernst sein. In den USA wird die Demokratie systematisch auf allen Ebenen demontiert bis hin zur Infragestellung freier Wahlen und die Verachtung Trumps für Institutionen, basale Menschenrechte und die Rechtsstaatlichkeit trägt dieser offen zur Schau. Dass Journalist*innen heutzutage offensichtliche Tatsachen wie die Rechtswidrigkeit von Trumps Vorgehen immer wieder mit Fragezeichen versehen, nur um die Konsument*innen der Medienformate weiter auf die Folter zu spannen, hat aus meiner Sicht ein unerträgliches Ausmaß angenommen. Wann wurde aus dem Gebot der journalistischen Objektivität die Sucht nach Neutralität zwischen den Extremen? Wann sehen Sie ein, dass es zwischen Faschismus und Demokratie, zwischen Tyrannei und Freiheit keine neutrale Position gibt, auf die sich die Presse zurückziehen kann und darf?
Kopfschüttelnd getippt und gesendet...
Mit freundlichen Grüßen
Meine 2 Cent...
#FalseBalance #Journalismus #Medienversagen