‚Na los. Sag wenigstens, dass du dich meldest. Oder dass ich mich melden soll.‘
Aber er tat es nicht. Ich konnte mich nicht erinnern, wo ich das herhatte, aus einem Buch oder einem Film oder von irgendeiner echten Person, aber ich dachte daran, dass Stolz schön und gut ist, aber er antwortet nicht, wenn man um Hilfe ruft, und er wärmt einen nicht, wenn man friert, und er umarmt einen auch nicht, wenn man sich einsam fühlt.
Und dann tat ich etwas, was ich mir nie zugetraut hätte.
Konrad
"Konrad, ich liebe dich", sagte sie schließlich mit brechender Stimme. Ihre Augen schimmerten feucht.
Ich schüttelte den Kopf und trat einen Schritt von ihr zurück. Ich sagte nichts. Ich woll-te nicht weinen. Sie folgte mir.
"Konrad, bitte!"
Ich sah zu ihr auf, in ihre großen dunkelblauen Augen ertrug ihren flehenden Blick, aber ich konnte nicht antworten. Ich schaffte es, noch einmal meinen Kopf zu schüt-teln. Ich fürchte, ein bisschen weinte ich dann doch. Ich versuchte, möglichst ruhig zu atmen, während ich mir über die Wangen wischte.
Alles Weiche verschwand aus Tanja. Ich konnte die Muskeln ihres Unterkiefers her-vortreten sehen, als sie ihre Zähne zusammenbiss. Sie sah mich nicht mehr an, son-dern über mich hinweg. Die Muskeln, die von ihren Schultern zu ihrem Hals empor liefen, traten wie Drahtseile hervor. Sie schluckte und drehte sich um und stieg in den Zug.
Und hier auf Deutsch der peinliche Moment, den Tanjas Gehirn ihr für den Rest ihres Lebens in Dauerschleife vorspielen wird, wenn sie nicht schlafen kann.
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