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#Statthaltergesetz
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10. April 1933

Die entsetzliche Stimmung des »Hurra, ich lebe«. Das neue Beamten-»Gesetz« läßt mich als Frontkämpfer im Amt - wahrscheinlich wenigstens und vorläufig (übrigens bleiben auch Dember und Blumenfeld verschont - wahrscheinlich wenigstens). Aber ringsum Hetze, Elend, zitternde Angst. Ein Vetter Dembers, Arzt in Berlin, aus der Sprechstunde geholt, im Hemd und schwer mißhandelt ins Humboldtkrankenhaus gebracht, dort, 45 Jahre alt, gestorben. Frau Dember erzählt es uns flüsternd bei geschlossener Tür. Sie verbreitet damit ja »Greuelnachrichten«, unwahre natürlich.

10. April 1933 Die entsetzliche Stimmung des »Hurra, ich lebe«. Das neue Beamten-»Gesetz« läßt mich als Frontkämpfer im Amt - wahrscheinlich wenigstens und vorläufig (übrigens bleiben auch Dember und Blumenfeld verschont - wahrscheinlich wenigstens). Aber ringsum Hetze, Elend, zitternde Angst. Ein Vetter Dembers, Arzt in Berlin, aus der Sprechstunde geholt, im Hemd und schwer mißhandelt ins Humboldtkrankenhaus gebracht, dort, 45 Jahre alt, gestorben. Frau Dember erzählt es uns flüsternd bei geschlossener Tür. Sie verbreitet damit ja »Greuelnachrichten«, unwahre natürlich.

Vor zwei Tagen kam das Statthaltergesetz heraus. Kurz vor dem 5. März hieß es noch in Bayern: »Einen Reichskommissar würden wir an der Grenze verhaften.« Und jetzt schweigt alles. Und Hitler spricht im Rundfunk vor allen im Appell angetretenen SA-Leuten, vor »über
500 000« Soldaten des »braunen Heeres«.

Annemarie Köhler war gestern abend bei uns. Erfüllt von äußerster Erbitterung. Sie erzählt, wie fanatisiert die Schwestern und Wärter ihres Krankenhauses sind. Sie sitzen um den Lautsprecher. Wenn das Horst-Wessel-Lied gesungen wird (jeden Abend und auch sonst), stehen sie auf und erheben den Arm zum NS-Gruß.

Vor zwei Tagen kam das Statthaltergesetz heraus. Kurz vor dem 5. März hieß es noch in Bayern: »Einen Reichskommissar würden wir an der Grenze verhaften.« Und jetzt schweigt alles. Und Hitler spricht im Rundfunk vor allen im Appell angetretenen SA-Leuten, vor »über 500 000« Soldaten des »braunen Heeres«. Annemarie Köhler war gestern abend bei uns. Erfüllt von äußerster Erbitterung. Sie erzählt, wie fanatisiert die Schwestern und Wärter ihres Krankenhauses sind. Sie sitzen um den Lautsprecher. Wenn das Horst-Wessel-Lied gesungen wird (jeden Abend und auch sonst), stehen sie auf und erheben den Arm zum NS-Gruß.

10. April 1933

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