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Tagebucheintrag vom 12. April 1933

Nachmittags allein auf dem Gemeindeamt Dölzschen. Dass man mir die Schleusenkosten (340 M) in Raten zerlegt. Sechs Raten bewilligt. Dort oben hat man den sozialdemokratischen Bürgermeister beurlaubt. Mich empfingen der Kommissar (Hüne, Germane mit Spitzbart) und der kugelrunde Bauinspektor in SA-Uniformen. Das erste Mal, dass ich mit solchen Leuten verhandelte. Beide sehr höflich, der Kommissar ein bißchen zurückhaltend, sichtlich auf Würde ängstlich bedacht, der Dicke ein gemütlichster Sachse, gleich über Hochschule und Pädagogisches Institut mit mir plaudernd - ich muß noch einmal betonen: beide ungemein höflich. Aber hier wurde mir zum erstenmal ad oculos demonstriert, daß wir nun wirklich ganz der Parteidiktatur, dem »Dritten Reich« ausgeliefert sind, dass die Partei aus ihrer absoluten Herrschaft
gar kein Hehl mehr macht.

Tagebucheintrag vom 12. April 1933 Nachmittags allein auf dem Gemeindeamt Dölzschen. Dass man mir die Schleusenkosten (340 M) in Raten zerlegt. Sechs Raten bewilligt. Dort oben hat man den sozialdemokratischen Bürgermeister beurlaubt. Mich empfingen der Kommissar (Hüne, Germane mit Spitzbart) und der kugelrunde Bauinspektor in SA-Uniformen. Das erste Mal, dass ich mit solchen Leuten verhandelte. Beide sehr höflich, der Kommissar ein bißchen zurückhaltend, sichtlich auf Würde ängstlich bedacht, der Dicke ein gemütlichster Sachse, gleich über Hochschule und Pädagogisches Institut mit mir plaudernd - ich muß noch einmal betonen: beide ungemein höflich. Aber hier wurde mir zum erstenmal ad oculos demonstriert, daß wir nun wirklich ganz der Parteidiktatur, dem »Dritten Reich« ausgeliefert sind, dass die Partei aus ihrer absoluten Herrschaft gar kein Hehl mehr macht.

Diary entry of April 12, 1933

In the afternoon alone to the Dölzschen council office. To ask them to divide the sewer drain costs (340M) into installments. Six installments granted. Up there the Social Democrat mayor has been suspended. I was received by the commissioner (giant of a man. Teuton with goatee) and the barrel-shaped council surveyor, both in SA uniform. The first time
that I've dealt with such people. Both very polite, the commissioner a little reserved, visibly anxious about his dignity, the fat one a very homely Saxon, right away chatting to me about the University and the Teacher Training Institute - I must emphasize once again: both uncommonly polite. But here I saw for the first time with my own eyes that we really are entirely at the mercy of the Party dictatorship, of the "Third Reich," that the Party no longer makes any secret of its absolute power.

Diary entry of April 12, 1933 In the afternoon alone to the Dölzschen council office. To ask them to divide the sewer drain costs (340M) into installments. Six installments granted. Up there the Social Democrat mayor has been suspended. I was received by the commissioner (giant of a man. Teuton with goatee) and the barrel-shaped council surveyor, both in SA uniform. The first time that I've dealt with such people. Both very polite, the commissioner a little reserved, visibly anxious about his dignity, the fat one a very homely Saxon, right away chatting to me about the University and the Teacher Training Institute - I must emphasize once again: both uncommonly polite. But here I saw for the first time with my own eyes that we really are entirely at the mercy of the Party dictatorship, of the "Third Reich," that the Party no longer makes any secret of its absolute power.

12. April 1933

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Shoah #SA #Dresden #absoluteHerrschaft #NSDAP

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Tagebucheintrag vom 11. April 1942

Wir stehen nun dem nackten Hunger gegenüber. Heute gab es sogar Kohlrüben nur »für angemeldete Kunden«. Unsere Kartoffeln sind zu Ende, unsere Brotkarten reichen vierzehn Tage, nicht vier Wochen.

Tagebucheintrag vom 11. April 1942 Wir stehen nun dem nackten Hunger gegenüber. Heute gab es sogar Kohlrüben nur »für angemeldete Kunden«. Unsere Kartoffeln sind zu Ende, unsere Brotkarten reichen vierzehn Tage, nicht vier Wochen.

Diary entry of April 11, 1942

We are now facing complete starvation. Today even turnips were only "for registered customers." Our potatoes are finished, our bread coupons will last for perhaps two weeks, not four.

Diary entry of April 11, 1942 We are now facing complete starvation. Today even turnips were only "for registered customers." Our potatoes are finished, our bread coupons will last for perhaps two weeks, not four.

11. April 1942

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Shoah #Hunger #Kriegswirtschaft #Rationierung #Lebensmittelmarken

22 13 0 1
Tagebucheintrag vom 10. April 1938

Hauptsache für die Tyrannis jeglicher Art ist das Unterdrücken des Fragetriebs. Und das ist so leicht zu machen. Wenn ich, Professor usw., lebenslang auf Denken geschult, mir so viele und so naheliegende Fragen durch fünfzig Jahre nicht gestellt habe, wie soll dann das Volk aufs Fragen kommen?

Tagebucheintrag vom 10. April 1938 Hauptsache für die Tyrannis jeglicher Art ist das Unterdrücken des Fragetriebs. Und das ist so leicht zu machen. Wenn ich, Professor usw., lebenslang auf Denken geschult, mir so viele und so naheliegende Fragen durch fünfzig Jahre nicht gestellt habe, wie soll dann das Volk aufs Fragen kommen?

Diary entry of April 10, 1938

The main thing for tyrannies of any kind is the suppression of the urge to ask questions. And it is so easy to do. If J, a professor, schooled in thinking all my life, have not asked myself so many and such obvious questions in the course of fifty years, how should the people hit on asking questions?

Diary entry of April 10, 1938 The main thing for tyrannies of any kind is the suppression of the urge to ask questions. And it is so easy to do. If J, a professor, schooled in thinking all my life, have not asked myself so many and such obvious questions in the course of fifty years, how should the people hit on asking questions?

10. April 1938

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Shoah #Tyrannei #Faschismus

30 13 0 1
Tagebucheintrag vom 9. April 1939

Überall diese abscheuliche Hoffnungslosigkeit. Und ich glaube, bei den ausländischen Regierungen auch. Sie zittern alle, sie halten Hitler für unbesieglich - und deshalb ist er unbesieglich.

Tagebucheintrag vom 9. April 1939 Überall diese abscheuliche Hoffnungslosigkeit. Und ich glaube, bei den ausländischen Regierungen auch. Sie zittern alle, sie halten Hitler für unbesieglich - und deshalb ist er unbesieglich.

Diary entry of April 9, 1939

Everywhere this awful hopelessness. And I believe it has taken hold of the foreign governments as well. They all tremble, they think Hitler is invincible - and consequently he is invincible.

Diary entry of April 9, 1939 Everywhere this awful hopelessness. And I believe it has taken hold of the foreign governments as well. They all tremble, they think Hitler is invincible - and consequently he is invincible.

9. April 1939

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Shoah #Hitler #Hoffnungslosigkeit #Außenpolitik #Appeasement

23 9 0 2

Es macht fassungslos, mit welchem Tempo die dünne Schicht „Humus“ (Empathie, Mitmenschlichkeit, Solidarität, Gemeinschaft, usw) weggefegt wird/wurde, wie schnell alles wieder Richtung Abgrund marschiert.
So, als hätte es Nazi Deutschland nie gegeben
#VictorKlemperer

2 0 0 0
Tagebucheintrag vom 8. April 1943

Im vorigen Jahr, während des Schneeschippens, schrieb ich viel über den »privilegierten« Johannes Müller, dessen Frau seine Lederfabrik weiterführte. Der biedere Mann half mir manchmal mit Brotmarken, steckte mir gelegentlich einen Bonbon zu - ich beneidete ihn ein bisschen, weil er ja einige Erleichterungen genoß. Ich hörte dann nichts mehr von ihm. Jetzt: Er wurde vorige Woche verhaftet - Grund unbekannt; es heißt, aber ohne Gewissheit, eine neue Bestimmung zwinge solche Privilegierten, deren arische Kinder im Ausland, zum Sterntragen, und das habe er nicht beizeiten erfahren -, zwei Tage später
hat er im Polizeipräsidium sich erhängt (oder ist erwürgt worden). Die Leiche wurde Jacobi nackt überliefert, außer den Würgemalen wies sie keine Verletzung auf. Der Fall hat mich wieder furchtbar durchschauert.

Tagebucheintrag vom 8. April 1943 Im vorigen Jahr, während des Schneeschippens, schrieb ich viel über den »privilegierten« Johannes Müller, dessen Frau seine Lederfabrik weiterführte. Der biedere Mann half mir manchmal mit Brotmarken, steckte mir gelegentlich einen Bonbon zu - ich beneidete ihn ein bisschen, weil er ja einige Erleichterungen genoß. Ich hörte dann nichts mehr von ihm. Jetzt: Er wurde vorige Woche verhaftet - Grund unbekannt; es heißt, aber ohne Gewissheit, eine neue Bestimmung zwinge solche Privilegierten, deren arische Kinder im Ausland, zum Sterntragen, und das habe er nicht beizeiten erfahren -, zwei Tage später hat er im Polizeipräsidium sich erhängt (oder ist erwürgt worden). Die Leiche wurde Jacobi nackt überliefert, außer den Würgemalen wies sie keine Verletzung auf. Der Fall hat mich wieder furchtbar durchschauert.

Diary entry of April 8, 1943

Last year, when I was shoveling snow, I wrote a lot about the "privileged" Johannes Muller, whose wife was running his leather factory. A decent man, he sometimes helped me out with bread coupons, occasionally passed me a piece of candy - I envied him a little, because after all he enjoyed certain freedoms. I then heard nothing more from him. He was arrested last week - reason unknown; it is said, but it is not certain, that a new order compels those privileged Jews whose Aryan children are abroad to wear the star, and he had not learned of it in time - two days later he hanged himself (or was strangled) in the police presidium. The corpse was handed over to Jacobi naked, apart from the marks of strangulation it showed no sign of injury. The case once again shook me terribly.

Diary entry of April 8, 1943 Last year, when I was shoveling snow, I wrote a lot about the "privileged" Johannes Muller, whose wife was running his leather factory. A decent man, he sometimes helped me out with bread coupons, occasionally passed me a piece of candy - I envied him a little, because after all he enjoyed certain freedoms. I then heard nothing more from him. He was arrested last week - reason unknown; it is said, but it is not certain, that a new order compels those privileged Jews whose Aryan children are abroad to wear the star, and he had not learned of it in time - two days later he hanged himself (or was strangled) in the police presidium. The corpse was handed over to Jacobi naked, apart from the marks of strangulation it showed no sign of injury. The case once again shook me terribly.

8. April 1943

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Angstherrschaft #Terrorstaat

31 15 1 1
Tagebucheintrag vom 7. April 1944

Die Frau Rudolph, mit der ich in den letzten Wochen zusammen arbeitete, hat vierzehn Tage Urlaub vom Arbeitsamt erhalten, um der Mutter beizustehen: Ihr Bruder ist gefallen. Die Frau Scholz, mit der ich jetzt zusammen arbeite, hat einen Sohn im Osten verloren, die neulich erwähnte Arbeiterin ihren Mann. Drei Frauen in einem Maschinensaal betroffen, alle gegen dies Regime, und alle ducken sich, wo eine Gruppe beisammen.

Tagebucheintrag vom 7. April 1944 Die Frau Rudolph, mit der ich in den letzten Wochen zusammen arbeitete, hat vierzehn Tage Urlaub vom Arbeitsamt erhalten, um der Mutter beizustehen: Ihr Bruder ist gefallen. Die Frau Scholz, mit der ich jetzt zusammen arbeite, hat einen Sohn im Osten verloren, die neulich erwähnte Arbeiterin ihren Mann. Drei Frauen in einem Maschinensaal betroffen, alle gegen dies Regime, und alle ducken sich, wo eine Gruppe beisammen.

Diary entry of April 7 1944

Frau Rudolph, with whom I have been working in recent weeks, has been given a fortnight's leave by the labor exchange to support her mother: Her brother has fallen. Frau Scholz, with whom I am working now, has lost her son in the East; the recently mentioned womanworker lost her
husband. Three women affected in one machine room, all against the regime, and all keep their heads down when they are in a group.

Diary entry of April 7 1944 Frau Rudolph, with whom I have been working in recent weeks, has been given a fortnight's leave by the labor exchange to support her mother: Her brother has fallen. Frau Scholz, with whom I am working now, has lost her son in the East; the recently mentioned womanworker lost her husband. Three women affected in one machine room, all against the regime, and all keep their heads down when they are in a group.

7. April 1944

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Angstherrschaft #Terrorstaat #Zensur

25 7 0 1
Tagebucheintrag vom 5. April 1938

Gestern hat Baldur von Schirach Braunau zum Wallfahrtsort der deutschen Jugend bestimmt. Heut die Bestimmungen Goebbels' für den Sonnabend vor der »Wahl«. Man denkt immer: das Theater habe seinen Gipfel erreicht, und dann zeigt sich ein noch höherer Gipfel. Diesmal sind es zwei Minuten Verkehrsruhe, und mit den Sirenen heulen die Lokomotiven, und in der Luft »über ganz Deutschland« kreisen Flugzeuggeschwader.

Tagebucheintrag vom 5. April 1938 Gestern hat Baldur von Schirach Braunau zum Wallfahrtsort der deutschen Jugend bestimmt. Heut die Bestimmungen Goebbels' für den Sonnabend vor der »Wahl«. Man denkt immer: das Theater habe seinen Gipfel erreicht, und dann zeigt sich ein noch höherer Gipfel. Diesmal sind es zwei Minuten Verkehrsruhe, und mit den Sirenen heulen die Lokomotiven, und in der Luft »über ganz Deutschland« kreisen Flugzeuggeschwader.

Diary entry of April 5 1938

Yesterday Baldur von Schirach declared Braunau the place of pilgrimage of German youth. Today Goebbels' instructions for the Sunday before the
"election." One always thinks the spectacle has reached a peak, and then an even higher peak emerges. This time all traffic will stop for two minutes, and the locomotives will howl along with the sirens, and squadrons of aircraft will circle in the air "over all of Germany."

Diary entry of April 5 1938 Yesterday Baldur von Schirach declared Braunau the place of pilgrimage of German youth. Today Goebbels' instructions for the Sunday before the "election." One always thinks the spectacle has reached a peak, and then an even higher peak emerges. This time all traffic will stop for two minutes, and the locomotives will howl along with the sirens, and squadrons of aircraft will circle in the air "over all of Germany."

5. April 1938

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Propaganda #Führerkult #Hitler #Militarismus

28 9 0 1
Tagebucheintrag vom 4. April 1943

Ich bin so vorsichtig, daß ich jedes Blatt wegstecke, wenn ich mich auch nur für ein paar Minuten unterbreche. Ich achte auf jedes Außengeräusch. Dennoch vorhin im Schreiben überrascht. Es klopft, schon stehen Uniformierte der Sicherheitspolizei draußen, die das Haus besehen. Sie kamen nicht herein, sie waren harmlos - immerhin. Fraglos ist diese Schreiberei, dies Manuskript im Hause eine ständige Lebensgefahr - auch für manchen darin Erwähnten. Und doch kann ich das Schreiben nicht lassen. Und trotz aller Depression und aller Symbolik der »Papiersoldaten« kann ich die Hoffnung nicht aufgeben.

Tagebucheintrag vom 4. April 1943 Ich bin so vorsichtig, daß ich jedes Blatt wegstecke, wenn ich mich auch nur für ein paar Minuten unterbreche. Ich achte auf jedes Außengeräusch. Dennoch vorhin im Schreiben überrascht. Es klopft, schon stehen Uniformierte der Sicherheitspolizei draußen, die das Haus besehen. Sie kamen nicht herein, sie waren harmlos - immerhin. Fraglos ist diese Schreiberei, dies Manuskript im Hause eine ständige Lebensgefahr - auch für manchen darin Erwähnten. Und doch kann ich das Schreiben nicht lassen. Und trotz aller Depression und aller Symbolik der »Papiersoldaten« kann ich die Hoffnung nicht aufgeben.

Diary entry of April 4 1943

I am so careful that I put away every sheet of paper if I interrupt myself for even a few minutes. I am attentive to every outside noise. Nevertheless, I was surprised while writing earlier. There was a knock, and already uniformed members of the Security Police were outside, inspecting the house. They didn't come in; they were harmless - at least. Undoubtedly, this writing, this manuscript in the house, is a constant danger to life - also for some of those mentioned in it. And yet, I cannot
stop writing. And despite all the depression and all the symbolism of the "paper soldiers," I cannot give up hope.

Diary entry of April 4 1943 I am so careful that I put away every sheet of paper if I interrupt myself for even a few minutes. I am attentive to every outside noise. Nevertheless, I was surprised while writing earlier. There was a knock, and already uniformed members of the Security Police were outside, inspecting the house. They didn't come in; they were harmless - at least. Undoubtedly, this writing, this manuscript in the house, is a constant danger to life - also for some of those mentioned in it. And yet, I cannot stop writing. And despite all the depression and all the symbolism of the "paper soldiers," I cannot give up hope.

4. April 1943

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Gestapo #Terrorstaat #Angstherrschaft

44 17 0 1
Tagebucheintrag vom 3. April 1935

Heute als unser Kaffeegast der Kaplan Dr. Baum bei uns, der im Winter mein französisches Kolleg gehört hat. Baum ist vollkommen pessimistisch. Die Kirche vermeide Streit, solange sie könne, das sei ihr alles nicht so wichtig, sie meine, das gehe vorüber, und sie bleibe - wozu sich da Unannehmlichkeiten aussetzen? Ein alter Pfarrer habe ihm neulich gesagt, in einer Versammlung sei ein so komisches Lied gesungen worden, das er noch nie gehört habe, etwas mit Horst Wessel - was und wer sei das eigentlich? In einer Geistlichenversammlung habe der Vorsitzende ruhig erklärt, der gegenwärtige Zustand sei nicht so wichtig - »wir haben das dritte Reich erlebt und werden das vierte erleben«. Er glaube nicht, daß das Ende der Regierung nahe sei, sie habe zuviel Macht, das Volk sei allzu versklavt und von Lügen idealistisch nationaler Art betäubt - und wenn das Ende einmal komme, dann mit vielem Blut.

Tagebucheintrag vom 3. April 1935 Heute als unser Kaffeegast der Kaplan Dr. Baum bei uns, der im Winter mein französisches Kolleg gehört hat. Baum ist vollkommen pessimistisch. Die Kirche vermeide Streit, solange sie könne, das sei ihr alles nicht so wichtig, sie meine, das gehe vorüber, und sie bleibe - wozu sich da Unannehmlichkeiten aussetzen? Ein alter Pfarrer habe ihm neulich gesagt, in einer Versammlung sei ein so komisches Lied gesungen worden, das er noch nie gehört habe, etwas mit Horst Wessel - was und wer sei das eigentlich? In einer Geistlichenversammlung habe der Vorsitzende ruhig erklärt, der gegenwärtige Zustand sei nicht so wichtig - »wir haben das dritte Reich erlebt und werden das vierte erleben«. Er glaube nicht, daß das Ende der Regierung nahe sei, sie habe zuviel Macht, das Volk sei allzu versklavt und von Lügen idealistisch nationaler Art betäubt - und wenn das Ende einmal komme, dann mit vielem Blut.

Diary entry of April 3 1935

Today Chaplain Dr. Baum, who attended my French course during the winter, was our guest for coffee. Baum is completely pessimistic. The Church will avoid conflict as long as it can, it is all not so important as far
as the Church is concerned. It thinks everything else will pass and it will remain - so why risk trouble? An old priest had said to him recently, such an odd song had been sung at a meeting, one he had never heard before,
something about Horst Wessel - what or who was that? At a meeting of priests the chairman had calmly explained, the current situation was not so important - "we have seen the Third Reich and we shall see the fourth." He did not believe that the end of the regime was close, it had too much power, the country was far too enslaved and numbed by idealistic-nationalist lies - and if the end did come one day, it would come with a lot of bloodshed.

Diary entry of April 3 1935 Today Chaplain Dr. Baum, who attended my French course during the winter, was our guest for coffee. Baum is completely pessimistic. The Church will avoid conflict as long as it can, it is all not so important as far as the Church is concerned. It thinks everything else will pass and it will remain - so why risk trouble? An old priest had said to him recently, such an odd song had been sung at a meeting, one he had never heard before, something about Horst Wessel - what or who was that? At a meeting of priests the chairman had calmly explained, the current situation was not so important - "we have seen the Third Reich and we shall see the fourth." He did not believe that the end of the regime was close, it had too much power, the country was far too enslaved and numbed by idealistic-nationalist lies - and if the end did come one day, it would come with a lot of bloodshed.

3. April 1935

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #katholischeKirche

23 11 0 1
Tagebucheintrag vom 2. April 1934

Gestern Annemarie und ihre Mutter bei uns. Stimmen aus dem Kreis arischer Industrie. Bitterkeit, Erbitterung, Überzeugung der wirtschaftlichen Unhaltbarkeit status praesentis.

Tagebucheintrag vom 2. April 1934 Gestern Annemarie und ihre Mutter bei uns. Stimmen aus dem Kreis arischer Industrie. Bitterkeit, Erbitterung, Überzeugung der wirtschaftlichen Unhaltbarkeit status praesentis.

Diary entry of April 2, 1934

Annemarie and her mother were with us yesterday. Voices from the Aryan industrial sector. Bitterness, resentment, conviction of the economic unsustainability of the current situation.

Diary entry of April 2, 1934 Annemarie and her mother were with us yesterday. Voices from the Aryan industrial sector. Bitterness, resentment, conviction of the economic unsustainability of the current situation.

2. April 1934

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Wirtschaft

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Tagebucheintrag vom 1. April 1945

Zum Mayerschen Kartoffelsalat pathetische Meldung von den »Werwölfen«, Männern und Mädchen, die im besetzten Gebiet des Westens den Kampf aufnehmen. Sie haben einen Sender in Händen, der großdeutsche Rundfunk wird ihre Nachrichten weitergeben. Damit wird also diese Franctireur-, Partisanen-, Flintenweibergruppe (die bestimmt ebenso »spontan« zustande gekommen ist wie die der Synagogen-Verbrenner) nicht nur glorifiziert, sondern auch anerkannt. Gleich darauf kam ein entsprechender Aufruf der Partei an alle Männer und Frauen. »Stunde höchster Bewährung«, kämpfen bis zum Tode. Was wird die anglo-amerikanische Antwort sein? Vernichtung aller Häuser, aus denen geschossen wird, noch weiter verstärkte Fliegerangriffe. Und niemand in
Deutschland macht dieser mörderischen Regierung ein Ende.

Tagebucheintrag vom 1. April 1945 Zum Mayerschen Kartoffelsalat pathetische Meldung von den »Werwölfen«, Männern und Mädchen, die im besetzten Gebiet des Westens den Kampf aufnehmen. Sie haben einen Sender in Händen, der großdeutsche Rundfunk wird ihre Nachrichten weitergeben. Damit wird also diese Franctireur-, Partisanen-, Flintenweibergruppe (die bestimmt ebenso »spontan« zustande gekommen ist wie die der Synagogen-Verbrenner) nicht nur glorifiziert, sondern auch anerkannt. Gleich darauf kam ein entsprechender Aufruf der Partei an alle Männer und Frauen. »Stunde höchster Bewährung«, kämpfen bis zum Tode. Was wird die anglo-amerikanische Antwort sein? Vernichtung aller Häuser, aus denen geschossen wird, noch weiter verstärkte Fliegerangriffe. Und niemand in Deutschland macht dieser mörderischen Regierung ein Ende.

Diary entry of April 1, 1945

While we were eating potato salad at Mayer's, there was a pompous report on the "Werwolves," men and girls taking up the fight against the enemy in the territory occupied in the West. They have a transmitter.
Greater German broadcasting will pass on their news. With that, this franc-tireur, partisan group is not only glorified, but also officially recognized. It was immediately followed by a corresponding appeal by
the Party to all men and women. "The supreme test," fight to the bitter end. What will the Anglo-American answer be? Destruction of every house from which a shot has been fired, even more intense air attacks.
And no one in Germany puts an end to this murderous government.

Diary entry of April 1, 1945 While we were eating potato salad at Mayer's, there was a pompous report on the "Werwolves," men and girls taking up the fight against the enemy in the territory occupied in the West. They have a transmitter. Greater German broadcasting will pass on their news. With that, this franc-tireur, partisan group is not only glorified, but also officially recognized. It was immediately followed by a corresponding appeal by the Party to all men and women. "The supreme test," fight to the bitter end. What will the Anglo-American answer be? Destruction of every house from which a shot has been fired, even more intense air attacks. And no one in Germany puts an end to this murderous government.

1. April 1945

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Kriegsende #Fanatismus #Kanonenfutter #Werwolf #Propaganda

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Tagebucheintrag vom 31. März 1940

Eine »freiwillige Metallspende« zu Führers Geburtstag wird mit aller sentimentalen Aufmachung (Mütterchen opfernd, und so) seit Wochen gesammelt (obwohl wir blockadefrei). Gestern Verordnung mit sofortiger Gültigkeit: Wer sich an der Metallsammlung bereichert, wird wegen Verbrechens am großdeutschen Befreiungskrieg mit dem Tode bestraft.

Tagebucheintrag vom 31. März 1940 Eine »freiwillige Metallspende« zu Führers Geburtstag wird mit aller sentimentalen Aufmachung (Mütterchen opfernd, und so) seit Wochen gesammelt (obwohl wir blockadefrei). Gestern Verordnung mit sofortiger Gültigkeit: Wer sich an der Metallsammlung bereichert, wird wegen Verbrechens am großdeutschen Befreiungskrieg mit dem Tode bestraft.

Diary entry of March 31, 1940

For weeks they've been collecting a "voluntary metal donation" (although they say the blockade is ineffective) for the occasion of the Führer's birthday with every sentimental trick (old dears making sacrifices and the like) in the book. Yesterday decree with immediate effect: Anyone profiting by the metal collection will be sentenced to death for committing a crime against the Great German War of Liberation.

Diary entry of March 31, 1940 For weeks they've been collecting a "voluntary metal donation" (although they say the blockade is ineffective) for the occasion of the Führer's birthday with every sentimental trick (old dears making sacrifices and the like) in the book. Yesterday decree with immediate effect: Anyone profiting by the metal collection will be sentenced to death for committing a crime against the Great German War of Liberation.

31. März 1940

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Mangel #Propaganda #Terrorstaat

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Tagebucheintrag vom 30. März 1938

Frau Lehmann, die Aufwartefrau, zeigte mir das Abgangszeugnis ihrer fünfzehnjährigen Tochter von der Berufsschule: Betragen sehr gut. Einsatzbereit.

Tagebucheintrag vom 30. März 1938 Frau Lehmann, die Aufwartefrau, zeigte mir das Abgangszeugnis ihrer fünfzehnjährigen Tochter von der Berufsschule: Betragen sehr gut. Einsatzbereit.

Diary entry of March 30, 1938

Frau Lehmann, our cleaning woman, showed me her daughter's vocational school-leaving certificate: Conduct very good. Deployable.

Diary entry of March 30, 1938 Frau Lehmann, our cleaning woman, showed me her daughter's vocational school-leaving certificate: Conduct very good. Deployable.

‪30. März 1938

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Jugend

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Tagebucheintrag vom 29. März 1943

Die Depression teile ich mit der ganzen Judenheit. Auch mit Richter, von dem ich mir am Sonnabend Geld und Brotmarken holte. Er sagte zur Situation dies: Er sähe die Lage trüber an als das letzte Mal. Wenn Deutschland heute bedingungslos kapitulierte, würde es an neunzig Prozent seines Bestandes retten. Statt dessen blute es sich weiter aus, und jeder Tag bedeute schlechtere Friedensbedingungen. Denn die Niederlage sei absolut gewiss. Ebenso gewiss aber, dass erst noch eine Sommeroffensive im Osten komme, wahrscheinlich mit Siegen, die dann die Stimmung heben und über den nächsten Winter fortkommen lasse.

Tagebucheintrag vom 29. März 1943 Die Depression teile ich mit der ganzen Judenheit. Auch mit Richter, von dem ich mir am Sonnabend Geld und Brotmarken holte. Er sagte zur Situation dies: Er sähe die Lage trüber an als das letzte Mal. Wenn Deutschland heute bedingungslos kapitulierte, würde es an neunzig Prozent seines Bestandes retten. Statt dessen blute es sich weiter aus, und jeder Tag bedeute schlechtere Friedensbedingungen. Denn die Niederlage sei absolut gewiss. Ebenso gewiss aber, dass erst noch eine Sommeroffensive im Osten komme, wahrscheinlich mit Siegen, die dann die Stimmung heben und über den nächsten Winter fortkommen lasse.

Diary entry of March 29, 1943

I share the depression with the whole of Jewry. Also with Richter, from whom I fetched money and bread coupons on Saturday. He said this about the situation: He saw the position more gloomily than the last time. If Germany were to capitulate unconditionally today, it would save ninety percent of its fabric. Instead it was continuing to bleed to death, and every day meant worse peace conditions. Because defeat was absolutely
certain. But it was equally certain, that there would first be another summer offensive in the East, which would then raise morale and keep it
going through the next winter.

Diary entry of March 29, 1943 I share the depression with the whole of Jewry. Also with Richter, from whom I fetched money and bread coupons on Saturday. He said this about the situation: He saw the position more gloomily than the last time. If Germany were to capitulate unconditionally today, it would save ninety percent of its fabric. Instead it was continuing to bleed to death, and every day meant worse peace conditions. Because defeat was absolutely certain. But it was equally certain, that there would first be another summer offensive in the East, which would then raise morale and keep it going through the next winter.

29. März 1943

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Kriegsverlauf

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Tagebucheintrag vom 28. März 1945

»Auerbacher Zeitung«, Blättchen, in dem z. Zt. fünf noch kleinere Blätterchen (Falkenstein, Rodewisch etc.) aufgegangen sind. Vom 27. 3.,
zweiter Teil eines Leitartikels, »England und Jude«, gezeichnet M. Jordan (fraglos für mehr Zeitungen als bloß diese eine geschrieben). Verfasser fragt, wie es möglich sei, daß England zugunsten der paar Juden gegen sein eigenes Wohl Politik machen und wüten könne.

Tagebucheintrag vom 28. März 1945 »Auerbacher Zeitung«, Blättchen, in dem z. Zt. fünf noch kleinere Blätterchen (Falkenstein, Rodewisch etc.) aufgegangen sind. Vom 27. 3., zweiter Teil eines Leitartikels, »England und Jude«, gezeichnet M. Jordan (fraglos für mehr Zeitungen als bloß diese eine geschrieben). Verfasser fragt, wie es möglich sei, daß England zugunsten der paar Juden gegen sein eigenes Wohl Politik machen und wüten könne.

Diary entry of March 28, 1945

"Auerbacher Zeitung," a small newspaper in which five even smaller papers (Falkenstein, Rodewisch, etc.) have currently merged. From March 27, second part of an editorial, "England and the Jew," signed M. Jordan (undoubtedly written for more newspapers than just this one). The author asks how it is possible that England can pursue policies and rage against its own interests in favor of a few Jews.

Diary entry of March 28, 1945 "Auerbacher Zeitung," a small newspaper in which five even smaller papers (Falkenstein, Rodewisch, etc.) have currently merged. From March 27, second part of an editorial, "England and the Jew," signed M. Jordan (undoubtedly written for more newspapers than just this one). The author asks how it is possible that England can pursue policies and rage against its own interests in favor of a few Jews.

28. März 1945

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Kriegsende #Grossbritannien #Presse #Propaganda #Zensur

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Tagebucheintrag vom 27. März 1937

Gestern wurde der Rousseau ganz fertig, druckfertig mit allen Anmerkungen, in allen 104 Seiten noch einmal durchgesehen, korrigiert, aufeinander abgestimmt. Nun kann er verpackt werden und modern. Es
ist eine todtraurige Sache: mein bestes Buch und durchaus nutzlos, eine Donquichotterie.

Tagebucheintrag vom 27. März 1937 Gestern wurde der Rousseau ganz fertig, druckfertig mit allen Anmerkungen, in allen 104 Seiten noch einmal durchgesehen, korrigiert, aufeinander abgestimmt. Nun kann er verpackt werden und modern. Es ist eine todtraurige Sache: mein bestes Buch und durchaus nutzlos, eine Donquichotterie.

Diary entry of March 27, 1937

The Rousseau was completely finished yesterday, fit to print with all the notes, all 104 pages checked, corrected, harmonized once again. Now it can be bundled up and grow moldy. It is a desperately sad business: my
best book and altogether useless, a quixotic effort.

Diary entry of March 27, 1937 The Rousseau was completely finished yesterday, fit to print with all the notes, all 104 pages checked, corrected, harmonized once again. Now it can be bundled up and grow moldy. It is a desperately sad business: my best book and altogether useless, a quixotic effort.

27. März 1937

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Berufsverbot #Publikationsverbot

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Tagebucheintrag vom 25. März 1934

Heute in Dresden das große »Treffen der sächsischen SA«, 125.000 Mann paradieren vor dem Statthalter. Gedränge, Fahnen, Girlanden, Prunk und Machtentfaltung sondergleichen.

Tagebucheintrag vom 25. März 1934 Heute in Dresden das große »Treffen der sächsischen SA«, 125.000 Mann paradieren vor dem Statthalter. Gedränge, Fahnen, Girlanden, Prunk und Machtentfaltung sondergleichen.

Diary entry of March 25, 1934

Today in Dresden the big "Rally of the Saxon SA," 125,000 men will parade in front of the governor. Crowds, flags, garlands, pomp and an unparalleled display of power.

Diary entry of March 25, 1934 Today in Dresden the big "Rally of the Saxon SA," 125,000 men will parade in front of the governor. Crowds, flags, garlands, pomp and an unparalleled display of power.

25. März 1934

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Dresden #SA #Sachsentreffen #Propaganda #Massenindoktrination #Machtdemonstration

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Tagebucheintrag vom 24. März 1941

Ich habe mich so sehr an den Gedanken der Haft gewöhnt, dass er mich nicht mehr im Arbeiten stört und dass ich die Sache fast humoristisch nehme. Übrigens besteht noch eine gewisse Hoffnung. Ich war zur Erkundung im Polizeipräsidium. Höfliche Auskunft: Man riet mir zu schriftlicher Bitte. Sie liegt hier bei. (Ich sandte sie handschriftlich ab, um keine Aufmerksamkeit auf meine Schreibmaschine zu lenken.)

Zur Sprache: Im vorgedruckten Haftbefehl ist »Das Polizeipräsidium« ersetzt durch »Der Polizeipräsident«. Ebenso: » ... wird daher gegen Sie ... festgesetzt« durch: » ... setze ich daher gegen Sie fest«.
Führerprinzip!

Tagebucheintrag vom 24. März 1941 Ich habe mich so sehr an den Gedanken der Haft gewöhnt, dass er mich nicht mehr im Arbeiten stört und dass ich die Sache fast humoristisch nehme. Übrigens besteht noch eine gewisse Hoffnung. Ich war zur Erkundung im Polizeipräsidium. Höfliche Auskunft: Man riet mir zu schriftlicher Bitte. Sie liegt hier bei. (Ich sandte sie handschriftlich ab, um keine Aufmerksamkeit auf meine Schreibmaschine zu lenken.) Zur Sprache: Im vorgedruckten Haftbefehl ist »Das Polizeipräsidium« ersetzt durch »Der Polizeipräsident«. Ebenso: » ... wird daher gegen Sie ... festgesetzt« durch: » ... setze ich daher gegen Sie fest«. Führerprinzip!

Diary entry of March 24, 1941

I have so much accustomed myself to the idea of imprisonment that it no longer disturbs me in my work and I see the matter in an almost humorous way. Besides there is still a degree of hope. I went to police headquarters to inquire. Courteous response: I was advised to make a plea in writing. (I sent it off handwritten, so as not to draw attention to my typewriter.)

On language: On the printed arrest warrant "Police Headquarters" has been replaced by "The Chief of Police." Likewise: " ... you will be ... sentenced by: ... I order you to be imprisoned." Leadership principle!

Diary entry of March 24, 1941 I have so much accustomed myself to the idea of imprisonment that it no longer disturbs me in my work and I see the matter in an almost humorous way. Besides there is still a degree of hope. I went to police headquarters to inquire. Courteous response: I was advised to make a plea in writing. (I sent it off handwritten, so as not to draw attention to my typewriter.) On language: On the printed arrest warrant "Police Headquarters" has been replaced by "The Chief of Police." Likewise: " ... you will be ... sentenced by: ... I order you to be imprisoned." Leadership principle!

24. März 1941

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Haft #Polizeihaft #Führerprinzip #LTI

[Anm.: Klemperer wurde 1941 zu einer 8-tägigen Haftstrafe wegen Nicht-Verdunkelns eines Fenster verurteilt und trat diese Haftstrafe auch an.]

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Tagebucheintrag vom 23. März 1935

In allen Punkten der Kulturvernichtung, Judenhetze, inneren Tyrannei regiert Hitler mit immer schlimmeren Kreaturen. Der Reichskultusminister Rust hielt heute wieder eine Erziehungsrede gegen »faden Intellektualismus«.

Tagebucheintrag vom 23. März 1935 In allen Punkten der Kulturvernichtung, Judenhetze, inneren Tyrannei regiert Hitler mit immer schlimmeren Kreaturen. Der Reichskultusminister Rust hielt heute wieder eine Erziehungsrede gegen »faden Intellektualismus«.

Diary entry of March 23, 1935

In every aspect of the destruction of culture, Jew-baiting, internal tyranny. Hitler rules with ever worse creatures. Rust, the Reich Minister of Education, gave another educational speech today attacking "insipid intellectualism."

Diary entry of March 23, 1935 In every aspect of the destruction of culture, Jew-baiting, internal tyranny. Hitler rules with ever worse creatures. Rust, the Reich Minister of Education, gave another educational speech today attacking "insipid intellectualism."

23. März 1935

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Propaganda #Antiintellektualismus #Kultur

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Tagebucheintrag vom 22. März 1933

In einer Apotheke irgendeine Zahnpasta mit dem Hakenkreuz.

Tagebucheintrag vom 22. März 1933 In einer Apotheke irgendeine Zahnpasta mit dem Hakenkreuz.

Diary entry of March 22, 1933

In a pharmacy toothpaste with the swastika.

Diary entry of March 22, 1933 In a pharmacy toothpaste with the swastika.

22. März 1933 #VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Propaganda

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Tagebucheintrag vom 20. März 1933

Ich halte es für ganz unwesentlich, ob Deutschland Monarchie oder Republik sei - aber dass es aus den Händen seiner neuen Regierung gerettet werde, kann ich gar nicht erwarten. Ich glaube übrigens, dass es die Schmach, ihr anheimgefallen zu sein, niemals abwaschen kann. Ich für mein Teil werde niemals wieder Vertrauen zu Deutschland haben.

Tagebucheintrag vom 20. März 1933 Ich halte es für ganz unwesentlich, ob Deutschland Monarchie oder Republik sei - aber dass es aus den Händen seiner neuen Regierung gerettet werde, kann ich gar nicht erwarten. Ich glaube übrigens, dass es die Schmach, ihr anheimgefallen zu sein, niemals abwaschen kann. Ich für mein Teil werde niemals wieder Vertrauen zu Deutschland haben.

Diary entry of March 20, 1933

I think it is quite immaterial whether Germany is a monarchy or a republic
- but what I do not expect at all is that it will be rescued from the grip of its new government. I believe anyway that it can never wash off the ignominy of having fallen victim to it. I for my part will never again have faith in Germany.

Diary entry of March 20, 1933 I think it is quite immaterial whether Germany is a monarchy or a republic - but what I do not expect at all is that it will be rescued from the grip of its new government. I believe anyway that it can never wash off the ignominy of having fallen victim to it. I for my part will never again have faith in Germany.

20. März 1933

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Identität

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Tagebucheintrag vom 19. März 1934

Ebenso, im engen Zusammenhang mit der Geldsorge, mein Verhalten zur Berufssorge. Das neue Semester beginnt erst am 7. Mai; bis dahin ist relative Sicherheit. Vielleicht werde ich dann keine Hörer mehr haben und
abgebaut werden wie Blumenfeld. Es ist ja auch schon davon die Rede gewesen, die ganze Kulturwissenschaftliche Abteilung zu pensionieren. Aber warum über den 7. Mai hinaus sorgen? Ist es denn so sicher, dass am 7. Mai noch die gleiche Regierung vorhanden ist?

Tagebucheintrag vom 19. März 1934 Ebenso, im engen Zusammenhang mit der Geldsorge, mein Verhalten zur Berufssorge. Das neue Semester beginnt erst am 7. Mai; bis dahin ist relative Sicherheit. Vielleicht werde ich dann keine Hörer mehr haben und abgebaut werden wie Blumenfeld. Es ist ja auch schon davon die Rede gewesen, die ganze Kulturwissenschaftliche Abteilung zu pensionieren. Aber warum über den 7. Mai hinaus sorgen? Ist es denn so sicher, dass am 7. Mai noch die gleiche Regierung vorhanden ist?

Diary entry of March 19, 1934

Likewise, closely connected with the worry about money, my attitude to the worry about my post. The new semester does not begin until May 7; until then there is relative security. Then perhaps I'll have no more students and be discharged like Blumenfeld. There has already been talk of pensioning off the whole Humanities Section. But why worry about what happens after May 7? Is it so certain that we shall still have the same government on May 7?

Diary entry of March 19, 1934 Likewise, closely connected with the worry about money, my attitude to the worry about my post. The new semester does not begin until May 7; until then there is relative security. Then perhaps I'll have no more students and be discharged like Blumenfeld. There has already been talk of pensioning off the whole Humanities Section. But why worry about what happens after May 7? Is it so certain that we shall still have the same government on May 7?

19. März 1934

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus #Antisemitismus #Berufsverbot #Universität

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Tagebucheintrag vom 18. März 1945

Kleine Morgenbetrachtung aus großer Liebe entstanden. Eigentlich ist doch die Hauptsache, dass wir uns vierzig Jahre so liebten und lieben, eigentlich ist mir doch nicht so ganz gewiss, dass dies alles ein Ende haben soll. Gewiss ist das Nichts überaus wahrscheinlich, und alles andere höchst unwahrscheinlich. Aber erleben wir nicht immerfort, seit 1914 und nun gar seit 1933 und in dieser letzten Zeit immer gehäufter, das Allerunwahrscheinlichste, grausig Phantastischste, ist uns nicht das vordem absolut Unvorstellbare zur Selbstverständlichkeit und Alltäglichkeit geworden? Wenn ich die Verfolgungen in Dresden, wenn ich den 13. Februar, wenn ich diese Flüchtlingswochen erlebt habe - warum soll ich nicht ebensogut erleben (oder eben: ersterben), dass wir, Eva und ich, irgendwo uns mit Engelsflügeln oder in sonst einer schnurrigen Form wiederfinden? Nicht nur das Wort »unmöglich« ist ausser Kurs geraten, auch »unvorstellbar«hat keine Gültigkeit mehr.

Tagebucheintrag vom 18. März 1945 Kleine Morgenbetrachtung aus großer Liebe entstanden. Eigentlich ist doch die Hauptsache, dass wir uns vierzig Jahre so liebten und lieben, eigentlich ist mir doch nicht so ganz gewiss, dass dies alles ein Ende haben soll. Gewiss ist das Nichts überaus wahrscheinlich, und alles andere höchst unwahrscheinlich. Aber erleben wir nicht immerfort, seit 1914 und nun gar seit 1933 und in dieser letzten Zeit immer gehäufter, das Allerunwahrscheinlichste, grausig Phantastischste, ist uns nicht das vordem absolut Unvorstellbare zur Selbstverständlichkeit und Alltäglichkeit geworden? Wenn ich die Verfolgungen in Dresden, wenn ich den 13. Februar, wenn ich diese Flüchtlingswochen erlebt habe - warum soll ich nicht ebensogut erleben (oder eben: ersterben), dass wir, Eva und ich, irgendwo uns mit Engelsflügeln oder in sonst einer schnurrigen Form wiederfinden? Nicht nur das Wort »unmöglich« ist ausser Kurs geraten, auch »unvorstellbar«hat keine Gültigkeit mehr.

Diary entry of March 18, 1945

Brief morning reflection arisen from great love. In fact, the main point after all is that for forty years we have so much loved one another and do love one another; in fact, I am not at all sure at all that all this is going to
come to an end. For certain, nothingness is altogether probable, and anything else highly improbable. But have we not continually experienced, since 1914 and even more since 1933 and with ever greater frequency in recent weeks, the most utterly improbable, the most monstrously fantastic things? Has not what was formerly completely unimaginable to us become commonplace and a matter of course? If I have lived through the persecutions in Dresden, if I have lived through February 13 and these weeks as a refugee - why should I not just as well live (or rather: die) to find the two of us somewhere, Eva and I, with angel wings or in some other droll form? It's not only the word "impossible" that has gone out of circulation, "unimaginable" also has no validity anymore.

Diary entry of March 18, 1945 Brief morning reflection arisen from great love. In fact, the main point after all is that for forty years we have so much loved one another and do love one another; in fact, I am not at all sure at all that all this is going to come to an end. For certain, nothingness is altogether probable, and anything else highly improbable. But have we not continually experienced, since 1914 and even more since 1933 and with ever greater frequency in recent weeks, the most utterly improbable, the most monstrously fantastic things? Has not what was formerly completely unimaginable to us become commonplace and a matter of course? If I have lived through the persecutions in Dresden, if I have lived through February 13 and these weeks as a refugee - why should I not just as well live (or rather: die) to find the two of us somewhere, Eva and I, with angel wings or in some other droll form? It's not only the word "impossible" that has gone out of circulation, "unimaginable" also has no validity anymore.

18. März 1945

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus
#Faschismus #Antisemitismus #EvaKlemperer #Liebe

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"Der neulich verhaftete Friedmann - man soll ein größeres Quantum Wein und Obstkonserven bei ihm gefunden haben - ist jetzt im KZ."

#VictorKlemperer #Folgeempfehlung

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"Man sprach Politik - mit Vorsicht, da die Fenster offenstanden."

#VictorKlemperer #Folgeempfehlung

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Tagebucheintrag vom 17. März 1933

Letzten Sonntag vormittag bei Frühlingswetter einmal mit Eva zu Fuß von der Weißeritz nach Hohendölzschen hinauf, unser Bauland betrachtet, und zu Fuß herunter. Eine Expedition. Dazwischen ein Weilchen bei Dembers gerastet. Wir fanden sie allein bei Tisch, ihre Kinder laufen in Innsbruck Ski. Man sprach Politik - mit Vorsicht, da die Fenster offenstanden.

Tagebucheintrag vom 17. März 1933 Letzten Sonntag vormittag bei Frühlingswetter einmal mit Eva zu Fuß von der Weißeritz nach Hohendölzschen hinauf, unser Bauland betrachtet, und zu Fuß herunter. Eine Expedition. Dazwischen ein Weilchen bei Dembers gerastet. Wir fanden sie allein bei Tisch, ihre Kinder laufen in Innsbruck Ski. Man sprach Politik - mit Vorsicht, da die Fenster offenstanden.

Diary entry of March 17, 1933

Last Sunday morning in spring weather walked with Eva from the Weisseritz to Hohendolzschen, looked at our plot of land, and back down again. An expedition. In between we rested a little while at the Dembers. We found them alone at table, their children are skiing in Innsbruck. We
talked about politics - cautiously, since the windows were open.

Diary entry of March 17, 1933 Last Sunday morning in spring weather walked with Eva from the Weisseritz to Hohendolzschen, looked at our plot of land, and back down again. An expedition. In between we rested a little while at the Dembers. We found them alone at table, their children are skiing in Innsbruck. We talked about politics - cautiously, since the windows were open.

17. März 1933

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus
#Faschismus #Antisemitismus #Repression #Kontrollstaat #Angst

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Tagebucheintrag vom 16. März 1942

Fräulein Ludwig schickte für Muschel [Anm.: der Kater Klemperers] einen Fischkopf - sie hatte den Fisch als Arierin von Freunden bekommen. Fisch ist ungemein selten und dem jüdischen Haushalt ganz verboten. Anweisung: den Kopf sofort auskochen, die Gräten verbrennen! Die Angst vor der Gestapo. 90 Prozent aller Gespräche der Juden kreisen um die Haussuchungen. Jeder weiß von neuen Grausamkeiten und Räubereien. Der neulich verhaftete Friedmann - man soll ein größeres Quantum Wein und Obstkonserven bei ihm gefunden haben - ist jetzt im KZ.

Tagebucheintrag vom 16. März 1942 Fräulein Ludwig schickte für Muschel [Anm.: der Kater Klemperers] einen Fischkopf - sie hatte den Fisch als Arierin von Freunden bekommen. Fisch ist ungemein selten und dem jüdischen Haushalt ganz verboten. Anweisung: den Kopf sofort auskochen, die Gräten verbrennen! Die Angst vor der Gestapo. 90 Prozent aller Gespräche der Juden kreisen um die Haussuchungen. Jeder weiß von neuen Grausamkeiten und Räubereien. Der neulich verhaftete Friedmann - man soll ein größeres Quantum Wein und Obstkonserven bei ihm gefunden haben - ist jetzt im KZ.

Diary entry of March 16, 1942

Fräulein Ludwig sent a fish's head for Muschel [Klemperers' cat] - as an Aryan she had got the fish from friends. Fish is exceedingly rare and completely prohibited for the Jewish household. Instruction: Cook the head immediately, burn the bones! The fear of the Gestapo, 90 percent of all conversations among Jews revolve around the house searches. Everyone knows of new cruelties and robberies. Friedmann, who was arrested recently - a large quantity of wine and bottled fruit is said to have been found in his rooms - is now in a concentration camp.

Diary entry of March 16, 1942 Fräulein Ludwig sent a fish's head for Muschel [Klemperers' cat] - as an Aryan she had got the fish from friends. Fish is exceedingly rare and completely prohibited for the Jewish household. Instruction: Cook the head immediately, burn the bones! The fear of the Gestapo, 90 percent of all conversations among Jews revolve around the house searches. Everyone knows of new cruelties and robberies. Friedmann, who was arrested recently - a large quantity of wine and bottled fruit is said to have been found in his rooms - is now in a concentration camp.

16. März 1942

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus
#Faschismus #Antisemitismus #Mangel #Hunger #Muschel #Gestapo #Haussuchungen

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Tagebucheintrag vom 15. März 1944

Wie unsinnig ist das: Überall arbeiten wir Sternträger mit den Ariern zusammen, und persönliche Gespräche kommen trotz aller Angst und Verbote immer wieder in Gang. Und nun - das kam gestern heraus - sollen wir Juden im Luftschutz mit »eingesetzt« werden, weil es gar zu sehr an Leuten mangelt; da muß die Firma eine besondere Tür und eine besondere Waschgelegenheit arbeiten lassen. Aber im Ernstfall wird es natürlich keine Isolierung geben.

Tagebucheintrag vom 15. März 1944 Wie unsinnig ist das: Überall arbeiten wir Sternträger mit den Ariern zusammen, und persönliche Gespräche kommen trotz aller Angst und Verbote immer wieder in Gang. Und nun - das kam gestern heraus - sollen wir Juden im Luftschutz mit »eingesetzt« werden, weil es gar zu sehr an Leuten mangelt; da muß die Firma eine besondere Tür und eine besondere Waschgelegenheit arbeiten lassen. Aber im Ernstfall wird es natürlich keine Isolierung geben.

Diary entry of March 15, 1944

How nonsensical it is: We star-wearers work with Aryans everywhere, and personal conversations get under way again and again despite all fears and prohibitions. And now - this became known yesterday - we Jews are to be "deployed" for air-raid protection because there is such a great shortage of people, so the company has to have an extra door and separate washing facilities. But if it comes to it, there will of course be no isolation.

Diary entry of March 15, 1944 How nonsensical it is: We star-wearers work with Aryans everywhere, and personal conversations get under way again and again despite all fears and prohibitions. And now - this became known yesterday - we Jews are to be "deployed" for air-raid protection because there is such a great shortage of people, so the company has to have an extra door and separate washing facilities. But if it comes to it, there will of course be no isolation.

15. März 1944

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus
#Faschismus #Antisemitismus #Shoah #Holocaust #Apartheid #"Rassen"-Trennung

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Tagebucheintrag vom 14. März 1939

Vorgestern, von uns eingeladen, Annemarie hier: Wir gaben ihr unser Silberzeug; kann sie es uns nicht in geänderter Zeit zurückgeben, so ist es ihr geschenkt; wird die Silberabgabe auch auf die Arier ausgedehnt, so soll sie es in die Elbe werfen. Aber in die Hände der Nazis soll es nicht
fallen. Annemarie denkt wie wir. Unter den Silberbestecken sind Evas historische Stücke mit dem Stempel der Freiheitskriege (1812 und preußische Krone).

Tagebucheintrag vom 14. März 1939 Vorgestern, von uns eingeladen, Annemarie hier: Wir gaben ihr unser Silberzeug; kann sie es uns nicht in geänderter Zeit zurückgeben, so ist es ihr geschenkt; wird die Silberabgabe auch auf die Arier ausgedehnt, so soll sie es in die Elbe werfen. Aber in die Hände der Nazis soll es nicht fallen. Annemarie denkt wie wir. Unter den Silberbestecken sind Evas historische Stücke mit dem Stempel der Freiheitskriege (1812 und preußische Krone).

Diary entry of March 14, 1939

We asked Annemarie to come here the day before yesterday: We gave her our silverware; if she cannot return it to us in better times, then she can have it; if the confiscation of silver is also extended to Aryans, she must throw it into the Elbe. But it must not fall into the hands of the Nazis. Annemarie thinks as we do. Among the silver cutlery are Eva's historical
pieces with the stamp of the Wars of Liberation (1812 and Prussian crown.)

Diary entry of March 14, 1939 We asked Annemarie to come here the day before yesterday: We gave her our silverware; if she cannot return it to us in better times, then she can have it; if the confiscation of silver is also extended to Aryans, she must throw it into the Elbe. But it must not fall into the hands of the Nazis. Annemarie thinks as we do. Among the silver cutlery are Eva's historical pieces with the stamp of the Wars of Liberation (1812 and Prussian crown.)

14. März 1939

#VictorKlemperer #Tagebücher #NS #Nationalsozialismus
#Faschismus #Antisemitismus #AnnemarieKöhler #Enteignung

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