Guten Morgen! Meine Freunde auf der Linken sind ganz entzückt. Wegen Markus Marterbauer. Ein echter, alter Linker, der sich als sachkundiger und unprätentiöser Finanzminister in die Herzen der Bevölkerung geschlichen hat, wie die Beliebtheitsrankings der Meinungsforschungsinstitute nahelegen. Mancher träumt schon von künftigen Wahlsiegen. Doch allein ein Blick nach Deutschland, zur SPD, sollte genügen: Vielleicht ist es mit der Sozialdemokratie überhaupt bald ganz vorbei, jedenfalls mit der linken Version davon. Die Arbeiterpartei dort ist heute die AfD. Wie bei uns die FPÖ. Aber wagen wir das Gedankenexperiment: SPÖ-Chef Andreas Babler überlässt Markus Marterbauer die Spitzenkandidatur bei der Nationalratswahl. Einwurf: Wieso sollte er das tun? Aber führen wir die Spekulation weiter: Man darf darauf wetten, dass die Beliebtheitswerte von Marterbauer dann nicht mehr dieselben sein werden wie heute. Denn die politischen Gegner, auch der heutige Koalitionspartner, würden Marterbauer als das darstellen, was er ist: ein echter, alter Linker. Und das ist keineswegs mehrheitsfähig. Noch schont die ÖVP den Finanzminister ihrer Regierung. Unmut kam allerdings schon bei diversen schwarzen Landeshauptleuten durch. Und am Montag, im neuen Debattierklub von Wolfgang Rosam im Haus am Schottenring, der früheren CA-Zentrale, gab der Stargast des Abends, Bundeskanzler Christian Stocker, freundlich, aber doch recht bestimmt zu verstehen, dass es mit dem Koalitionspartner SPÖ im Allgemeinen und dem Finanzminister im Speziellen nicht immer ganz einfach sei. Letzterer verstehe etwa den Kapitalmarkt nicht als Finanzierungsmöglichkeit, sondern als Spekulationsinstrument.
Markus Marterbauer hat sich nicht verändert, auch wenn er als Finanzminister nun sparen muss statt ausgeben zu können. Er ist vom Mindset der Arbeiterkammer-Ideologe geblieben. Wenn er wollte, wie er könnte, würde er Österreich zum Paradies der Werktätigen machen. Zu Lasten des Wirtschaftsstandorts freilich. „Sparen" würde Marterbauer am liebsten mit neuen Einnahmen. Eine Lohnnebenkostensenkung ist ihm kein Anliegen. Höchstens im Abtausch mit einer höheren Körperschaftssteuer. Oder noch besser: einer Erbschaftssteuer. Einmal Klassenkämpfer, immer Klassenkämpfer. Auch wenn er nun pragmatisch im Ministeranzug daherkommt. Genossen und Bosse trennt Marterbauer strikt. Es ist jedenfalls faszinierend mitanzusehen - siehe SPD, aber auch SPÖ - wie die (Anziehungs-)Kraft linker Ideen schwindet. Es gab Zeiten, da galt es nahezu als Naturgesetz, dass sich diese durchsetzen würden. Ich lese gerade „Technik des Staatsstreichs" von Curzio Malaparte, das ist jener Schriftsteller, dessen Villa auf Capri als Vorbild für die Hauptbibliothek der Stadt Wien am Neubaugürtel diente. Malaparte beschreibt eindrücklich, wie die Taktik Leo Trotzkis, die kritische Infrastruktur St. Petersburgs (Elektrizitätswerke, Telegrafenämter, Gasometer, Brücken, Bahnhöfe etc.) mit einer kleinen Gruppe von Verschwörern zu besetzen, zum Umsturz in Russland führt. Hernach zittern die bürgerlichen Regierenden in ganz Europa, dass ihre Länder dem Vorbild der Oktoberrevolution folgen konnten. Trotzki versucht seine Taktik zu exportieren, engagiert sich etwa stark bei den Genossen in England und vernachlässigt dafür den Machtkampf zuhause gegen Stalin, den er dann auch verliert. Stalin wendet Trotzkis Taktik gegen ihn selbst an. „Es ist das bürgerliche Europa, das daraus lernt", so Malaparte. Slawa Ukrajini! Oliver Pink
#OPink #Marterbauer
Im heutigen Newsletter durchaus O Pink M Marterbauer. Der ist nämlich nichts anderes als ein echter, alter Linker, mit all den grauslichen sozialistischen Ideen, der Österreich zu einem Paradies der Werktätigen machen wollte, wenn er könnte.
So! Jetzt wisst ihr es auch.